Anatomie

Transmurale Ösophagusdefekte

160-2a

Leckagen am Gastrointestinaltrakt entstehen nach chirurgischen Eingriffen mit Anastomosierung, aber auch nach endoskopischen Interventionen wie Dilatationen oder Abtragungen von Tumorvorstufen bzw. Frühkarzinomen mithilfe der endoskopischen Mukosaresektion oder Submukosadissektion. Das Risiko einer postoperativen Leckage steigt durch den vermehrten Einsatz neoadjuvanter Therapiekonzepte bei Ösophagus-, Magen- und Rektumkarzinomen.

Ösophagusanastomosen werden zur Rekonstruktion nach Ösophagusresektionen und transhiatal erweiterten Gastrektomien angelegt. Die Insuffizienzrate bei Ösophagusanastomosen wird in der Literatur zwischen 0 und 30 Prozent angegeben, mit Mortalitätsraten von bis zu 50 Prozent. Hauptverantwortlich für letale Verläufe ist sowohl bei Anastomoseninsuffizienzen als auch bei Perforationen die Entwicklung einer Mediastinitis mit schwerstem septischen Krankheitsbild.

Relevante Therapieverfahren

Entscheidend für die Prognose eines Ösophaguslecks durch Anastomoseninsuffizienz oder Perforation ist der frühe Beginn einer adäquaten Therapie. Bei Therapiebeginn mehr als 24 Stunden nach dem Perforationsereignis beträgt die Letalität über 20 Prozent.

Abgesehen von ausgewählten Fällen, bei denen ein rein konservatives Vorgehen mit systemischer Antibiotikagabe, Sondenableitung und parenteraler Ernährung möglich ist, zielen alle anderen Behandlungsstrategien auf den Verschluss des Defekts und einer suffizienten Drainage des extraluminalen septischen Fokus hin.

Etwa bis zum Jahr 2000 war die Behandlung von Anastomosenleckagen eine rein chirurgische Domäne (Naht, Anastomosenneuanlage, Diskontinuitätsresektion als Ultima Ratio). Zwischenzeitlich haben sich konservative und interventionell-endoskopische Therapien etabliert. Als Verfahren werden hierbei vor allem das Einbringen von Stents angewendet, seltener die alleinige Therapie durch Fibrinkleber oder Clips.

Vor- und Nachteile der Stentimplantation

Die am weitesten verbreitete endoskopische Methode zur Behandlung von Anastomosenleckagen ist die Einlage von selbstexpandierenden Stents. Verwendet werden komplett beschichtete Metallstents als auch komplett beschichtete Kunststoffstents. Die Erfolgsrate für die Behandlung von Anastomoseninsuffizienzen durch Stentimplantation liegt durchschnittlich um 50 Prozent.

Vorteile der Stentimplantation:

  • sofortige Abdichtung der Leckage
  • entsprechend zügiger oraler Kostaufbau
  • technisch einfach

Nachteile der Stentimplantation:

  • erfordert neben einer Endoskopie- auch eine Durchleuchtungseinheit, in die ein ggf. klinisch instabiler Patient mit Multiorganversagen und Sepsis aufgrund einer Mediastinitis (mehrfach) transportiert werden muss
  • problematisch bei größeren Lecks/Dehiszenzen
  • geringe Lagestabilität des Stents bei zervikalen Lecks, im Bereich des ösophagogastralen Übergangs und postoperativ nach Magenhochzug oder Koloninterponat (Lumeninkongruenz)
  • stentbedingte Stenosen und Perforationen, Stentmigration, -dislokation, Endoleaks (mangelnde Abdichtung), Einwachsen des Stents
  • zeitgleiche Drainage des septischen Fokus durch die Platzierung von externen, perkutanen Drainagen erforderlich (meist CT-kontrollierte Punktion)
  • Beurteilung der Anastomose bzw. Leckage (i. d. Regel nach 2 – 4 Wochen) erfordert die Stententfernung, da die Stentbeschichtung eine optische Kontrolle der Leckage nicht zulässt; ggf. erneute Stenteinlage erforderlich

Endoskopische Vakuumtherapie bei Perforationen und Anastomoseninsuffizienzen am oberen GI-Trakt

Eine innovative Therapieoption bei Ösophagusleckagen stellt die endoskopische Vakuumtherapie dar.

160-3d160-6b

Der vakuumassistierte Verschluss (Vacuum Assisted Closure, VAC.) ist ein etabliertes Verfahren in der Behandlung ausgedehnter infizierter Oberflächendefekte. Das Vakuum bewirkt dabei einen Abtransport infizierter Sekrete und reduziert das Ödem der Wundfläche. Die Perfusion des Wundbetts wird verbessert und optimiert so die Heilungsprozesse. Das offenporige Polyurethanschwammgewebe induziert die Bildung von Granulationsgewebe und beschleunigt die Wundheilung.

Das Prinzip des vakuumassistierten Verschlusses kann  auch für die Behandlung nur endoskopisch zugänglicher Defekte, wie sie bei Anastomosenleckagen auftreten, genutzt werden. Für die Anwendung der Vakuumtherapie bei Anastomoseninsuffizienzen am Rektum steht das Endo-SPONGE®-System zur Verfügung, das in folgendem Beitrag vorgestellt wird:

Endoluminale Vakuum-Therapie mit dem Endo-SPONGE® zur Behandlung der Anastomoseninsuffizienz des unteren GI-Traktes

Mit dem Eso-SPONGE®-System, das in diesem Beitrag vorgestellt wird, besteht die Möglichkeit, die endoskopische Vakuumbehandlung auch bei Ösophagusleckagen bzw. thorakalen Anastomoseninsuffizienzen anzuwenden.

Endo-SPONGE® und Eso-SPONGE® – Defektverschluss und Drainage

Beide Systeme (Hersteller: B. Braun Melsungen, Deutschland) beruhen auf den bewährten chirurgischen Prinzipien von Defektverschluss und Drainage. Der Defektverschluss erfolgt in endoskopischer Technik, bei der ein therapeutisch wirksames Vakuum über einen offenporigen Polyurethanschwamm an die Defektzone angelegt wird. Die Drainage des septischen Fokus erfolgt bei der endoskopischen Vakuumtherapie intraluminal, weshalb die bei der Stentimplantation erforderliche externe, perkutane Wunddrainage bei diesem Verfahren meist entbehrlich ist. Wie bei der Oberflächenanwendung des VAC-Systems wird bei der intrakorporalen Vakuumbehandlung eine stabile, sekundär heilende Wunde geschaffen, die nach Abschluss der Vakuumtherapie abheilen soll.

Intraluminale und intrakavitäre endoskopische Vakuumtherapie durch Eso-SPONGE®

Durch die endoskopische Schwammplatzierung ist die Implantation der Drainagesysteme an jeder beliebigen Position des gastroskopisch zugänglichen Intestinaltrakts unter endoskopischer Sicht möglich. Zu unterscheiden sind die intraluminale Schwammplatzierung mit Defektversiegelung und die intrakavitäre Schwammplatzierung in einer extraluminalen Wundhöhle.

Bei der intrakavitären Variante erfolgt die Platzierung der Schwammdrainage durch den transmuralen Defekt hindurch in eine extraluminale Wundhöhle. Sollte der Wanddefekt nicht für das Endoskop passierbar sein, ist eine Dilatation erforderlich (Spitze des Endoskops oder Ballondilatation). Nach Platzierung des Schwamms innerhalb der Wundhöhle und Vakuumanlage kollabiert die Wundhöhle um den Polyurethanschwamm. Dabei wird der Drainageschlauch von den Rändern des Wanddefekts dicht umfasst und die Wundhöhle zum Intestinallumen hin verschlossen wird. In diesem Fall sind Schwammkörper zu verwenden, die deutlich kleiner als die extraluminale Wundhöhle sind.

Bei der intraluminalen Variante verbleibt die Schwammdrainage innerhalb des Intestinallumens und wird hier auf Höhe des Wanddefekts platziert. Nach Vakuumanlage saugt sich das Oberflächenepithel am Schwammkörper der Drainage fest. Der Wanddefekt wird durch den aufliegenden Schwammkörper verschlossen und das Wundsekret nach luminal drainiert. Da das Ösophaguslumen durch die Sogwirkung kollabiert, ist eine enterale Ernährung nur durch eine Ernährungssonde oder eine PEG möglich.

Die Vorteile der Eso-SPONGE®-Behandlung sind:

  • Kontinuierliche Drainage, kein Sekretstau
  • Infektkontrolle
  • Debridement, rasche Säuberung der Wundhöhle
  • Granulationsförderung
  • Mechanische Verkleinerung der Wundhöhle
Perioperatives Management

1. Indikationen

Die endoskopische Vakuumtherapie mittels des Eso-SPONGE®-Systems ist ein geeignetes Behandlungsverfahren zur Therapie von Ösophagusdefekten aller Größen, Höhenlokalisationen und Infektsituationen. Es kann eingesetzt werden bei/als:

  • Anastomoseninsuffizienzen des Ösophagus
  • Ösophagus-Perforationen (iatrogen, Fremdkörper, Boerhaave-Syndrom)
  • „Bridge-to-Surgery“: Vakuumtherapie als Therapieoption zur Sepsiskontrolle bis zur definitiven operativen Defektsanierung

Paraösophageale Wundhöhlen müssen endoskopisch zugänglich sein!

Weitere Krankheitsbilder, die bisher mit dieser Technik erfolgreich behandelt wurden:

  • nekrotisierender Pankreatitis (transgastrale Nekrosektomie)
  • Anastomoseninsuffizienz im Bereich einer Pankreato-Jejunostomie

Eine prophylaktische Einlage endoluminaler Schwämme zur Protektion fragiler Ösophagusanastomosen ist denkbar.

2. Kontraindikationen

  • Transmuraler Ösophagusdefekt mit ausgedehnter Nekrotisierung, Gangrän und Ischämie: Vakuumtherapie allenfalls als Bridging
  • Transmuraler Defekt mit Verbindung zum tracheobronchialen System: Vakuumaufbau technisch nicht möglich

3. Präoperative Diagnostik

Flexible Endoskopie

  • bei unsicheren Befunden Wiederholung in täglichem Abstand
  • Defekthöhe = Abstand von der Zahnreihe
  • Abschätzen der Defektgröße in Relation zum eingeführten Endoskop
  • Beurteilung der Durchblutung der Anastomosenregion/des Interponats und der lokalen Entzündungssituation
  • Exploration kleiner Defekte mittels eines kleinkalibrigen nasalen Gastroskops: extraluminale Wundhöhle?

Kontrasmittel-Computertomografie

  • initial und im Verlauf der Behandlung zur Kontrolle von Schwammpositionierung und Fokussanierung
  • Erfassung evtl. nicht-drainierter pleuraler und mediastinaler Luft- und Flüssigkeitsverhalte sowie begleitender pulmonaler Komplikationen

4. Anästhesie

Zur Sicherung der Atemwege erfolgt die endoskopische Schwammplatzierung in Intubationsnarkose.

5. Eso-Sponge®-Set

160-PM

Das Eso-SPONGE®-Set besteht aus:

  • Overtube (*)
  • Pusher
  • Eso-SPONGE®-Schwammkörper
  • Spülset
  • Y-Verbindungsstück
  • Schiebeklemme

(*) Es stehen zwei Größen zur Verfügung:
Größe 1: innen 13, außen 17 mm
Größe 2: innen 15, außen 19 mm

Zusätzlich benötigt werden:

  • Endoskopie- bzw. Gastroskopie-Einheit (flexibles Endoskop, CO2 als Untersuchungsgas)
  • steriles Hydrogel auf der Basis von Glycerol
  • Magensonde CH 16
  • regelbare, medizinische Pumpe zur Vakuumbehandlung (Vakuum von 125 mm Hg erforderlich)

6. Nachbehandlung

Ernährung
Die Ernährungsform unter der laufenden Vakuumbehandlung hängt von der Therapievariante ab:

  • intraluminale Schwammdrainage ⇒ Ernährungssonde, PEG
  • intrakavitäre Schwammdrainage ⇒ oral, an der liegenden Drainage vorbei

Nach Beendigung der Vakuumbehandlung empfiehlt sich der Kostaufbau mit Wasser und Tee, dann Breikost. Bestehen noch oberflächliche Wandaussackungen, sollte initial auf grobe Ballaststoffe wie Körner verzichtet werden, da die Gefahr von Fistelbildungen besteht.

Endoskopische Wundkontrollen und Schwammwechsel
Nach 48 bis 72 Stunden erfolgt eine endoskopische Wundkontrolle. Hierzu wird der Sog unterbrochen und die einliegende Schwammdrainage entfernt. Ist eine Fortführung der Therapie erforderlich, wird die Schwammdrainage erneuert.

Bei kleinen Defekten kann die Behandlung bei sichtbarem Defektverschluss beendet werden. Bei großen Wundhöhlen wird die Vakuumbehandlung solange fortgeführt, bis sich der Wundgrund gereinigt, die Höhle sich deutlich verkleinert hat und der Wundgrund vollständig granuliert ist.

Auch nach Beendigung der Vakuumbehandlung empfehlen sich engmaschige endoskopische Kontrollen der Wundheilung, um die Schwammdrainage ggf. wieder aufzunehmen.

Durchführung
Prof. Dr. med. B. Schniewind
Klinikum Lüneburg
Prof. Dr. med. J. Hampe
Universitätsklinikum Dresden
Prof. Dr. med. C. Schafmayer
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Bei einem 55 Jahre alten, männlichen Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom des distalen Ösophagusdrittels war nach neoadjuvanter Radiochemotherapie eine abdomino-thorakale Ösophagusresektion mit Magenschlauchrekonstruktion und End-zu-End-Ösophago-Gastrostomie (Handnaht) durchgeführt worden. Am 5. postoperativen Tag kam es zu einem Anstieg der Infektparamater. Eine endoskopische Kontrolluntersuchung wies eine Anastomoseninsuffizienz nach, die ca. ¼ der Anastomosenzirkumferenz betraf in der Tiefe von 25cm ab Zahnreihe. Die dahinter liegende Insuffizienzhöhle konnte ca. 8 cm tief eingespiegelt werden. Im selben Untersuchungsgang erfolgte die erste Anlage eines Eso-Sponge in die Insuffizienzhöhle. Die folgenden Filmaufnahmen zeigen den 2. Eso-SPONGE®-Wechsel.

1. Vorbereitung

160-1

Das Eso-SPONGE®-Behandlungsset besteht aus einem offenporigen Polyurethanschwamm, der über einen Overtube und Pusher eingeführt, transnasal umgeleitet und im Anschluss an eine regelbare, medizinische Pumpe angeschlossen wird. Zur Vorbereitung der Therapie die Setbestandteile auspacken, ggf. kann der Drain des Schwammes schon durch den Pusher gefädelt werden. Steriles Hydrogel, NaCl oder Ringerlösung, eine Magensonde Ch. 16 sowie diverse Klemmen bereit legen.

2. Einspiegeln und Platzierung des Overtubes in der Insuffizienzhöhle

160-2b

Vor der Anwendung von Eso-Sponge flexibel-endoskopische Untersuchung mit Ausmessen der Wundhöhle. Stülpen des Overtubes über das Endoskop (mit Gleitgel oder Silikonspray benetzen) und Einführen unter Sicht bis ans Ende der Insuffizienzhöhle – das Endoskop dient hierbei als Führungsschiene. Overtube auf Position halten und das Endoskop vorsichtig zurückziehen.

3. Einführen des Schwammes

160-3b

Den ggf. auf die Größe der Wundhöhle zugeschnittenen Schwamm mit einem sterilen Hydrogel (Askina® Gel) benetzen und in den Overtube einführen. Eso-SPONGE® mittels Pusher bis zur Markierung vorschieben – der Schwamm befindet sich nun am Ende des Overtubes. Den Pusher auf Position halten und den Overtube bis zum Handgriff des Pushers zurückziehen, dadurch wird der Schwamm in der Insuffizienzhöhle freigesetzt. Overtube und Pusher können nun gemeinsam entfernt werden. Endoskopische Lagekontrolle des Schwammes und ggf. Korrektur mittels endoskopischer Fasszange.

4. Transnasale Ausleitung

160-4b

Eine Magensonde oder ein Absaugkatheter CH 16 (nicht im Set enthalten) durch die Nase einführen und durch den Mund herausleiten, ggf. Abschneiden der atraumatischen Spitze. Konnektierung des Eso-SPONGE®-Drains mit der Magensonde vor dem Mund. Zurückziehen der Magensonde zusammen mit dem Drain durch die Nase. Der Drain ist nun transnasal ausgeleitet.

5. Konnektierung des Drains an das Y-Stück

160-5

Zum leichteren Einführen kann der Eso-SPONGE®-Drain etwas schräg angeschnitten werden. Bei Bedarf können zwei Schwämme an ein Y-Stück angeschlossen und damit über eine Pumpe betrieben werden.

6. Anschluss an eine regelbare, medizinische Pumpe

160-6a

Abschneiden des Heimlichventils vom Schlauch der Sekretflasche. Konnektion des Filters mittels Luer- Lock-Anschluss mit der Pumpe (MV-1, MTG GmbH, Sulzbach) und Aufstecken des gekürzten Flaschenschlauchs auf den Filter. Auf den Universalverbinder des verbleibenden Schlauches wird das Y-Stück geschoben. Einschalten der Pumpe durch die Tastenkombination F und I – die Pumpe ist bereits voreingestellt auf einen konstanten Sog mit 125 mmHg. Bei Bedarf lässt sich dieser in 5er Schritten reduzieren bzw. erhöhen (Tastenkombination: F und ↑/↓ ). Ein Sog von 200 mmHg sollte nicht überschritten werden.

7. Schwammwechsel

160-7a

Nach 48-72 Stunden muss der Wechsel des Systems erfolgen. Dafür Eso-SPONGE® und Pumpe diskonnektieren, ggf. endoskopische Lagekontrolle des Schwammes. Zum Ziehen des Schwammes Eso-SPONGE®-Drain wieder umleiten und durch den Mund ausführen. Anspülen mit NaCl oder Ringerlösung mittels 20 ml Spritze und Dilatator (aus neu geöffneten Set). Schwamm mit vorsichtigem Zug entfernen. Erneute endoskopische Kontrolle der Insuffizienzhöhle und ggf. Einbringen eines neuen Schwammes.

8. Abschlussendoskopie

In dem gezeigten Fallbeispiel wurde das Eso-SPONGE®-System insgesamt 10x gewechselt. Die gesamte Eso-SPONGE®-Therapiedauer betrug 25 Tage. Die abschließende endoskopische Kontrolle erfolgte vier Wochen nach Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus und zeigte noch eine narbige Einziehung im Bereich der ehemaligen Insuffizienzhöhle und eine moderate Anastomosenstenose, die jedoch für ein Standardgastroskop problemlos passierbar war.

Komplikationen

Komplikationen

Schwerwiegende therapieassoziierte Komplikationen werden bis dato nur vereinzelt beschrieben. Mögliche Risiken beinhalten Blutungen durch Gefäßarrosionen sowie die Entstehung einer ösophagobronchialen Fistel.

Kleinere Probleme sind eher technischer Natur:

  • Schwammdislokation nach oral durch akzidentellen Zug am Drainageschlauch
  • partielle Verstopfung des Schwamms und dadurch insuffiziente Sogwirkung
  • Abriss des Schwammes vom Drainageschlauch beim Systemwechsel; Extraktion mittels einer endoskopischen Greifzange

Tipp: Vor einem elektiven Schwammwechsel sollte der Sog für einige wenige Stunden abgestellt werden, damit die Schwammextraktion leichter erfolgen kann.

Evidenz

1. Zusammenfassung der Literatur

Endoskopische Vakuumtherapie von Anastomoseninsuffizienzen und Perforationen des Ösophagus

Auch wenn die Letalität nach Ösophagusresektionen in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken ist, stellt die Behandlung transmuraler Ösophagusdefekte infolge Anastomoseninsuffizienzen und Perforationen weiterhin eine Herausforderung dar (1, 2). Die in der Literatur angegebenen Zahlen für die Häufigkeit von Insuffizienzen nach Ösophagusresektionen variieren erheblich und liegen zwischen ein und 30 Prozent. Insuffizienzraten für zervikale Anastomosen liegen zwischen ein und 25 Prozent (3 – 7), für intrathorakale Anastomosen unter zehn Prozent (8 – 12) und nach Gastrektomie und Resektion de distalen Ösophagus bei rund zehn Prozent (13).

Ösophagusperforationen sind in erster Linie iatrogen bedingt und auf die zunehmende Durchführung endoskopischer Maßnahmen wie interventioneller Resektionsverfahren und Dilatationen zurückzuführen (14 – 16).

Letale Verläufe bei Anastomoseninsuffizienzen und Perforationen sind überwiegend auf die Entwicklung einer Mediastinitis mit septischem Krankheitsbild zurückzuführen (17). Prognostisch entscheidend ist der frühzeitige Beginn einer suffizienten Therapie. Beginnt sie mehr als 24 Stunden nach Entwicklung der Leckage, steigt die Letalität auf über 20 Prozent. In einer Metanalyse aus 2013 liegt die durchschnittliche perforationsbedingte Letalität bei fast 12 Prozent (18).

Behandlungsstrategien bei Ösophagusleckagen

Alle Behandlungsmaßnahmen haben zum Ziel, den Ösophagusdefekt zu verschließen und den extraluminalen septischen Fokus zu drainieren (19, 20). Ein rein konservatives Vorgehen – systemische Antibiose, parenterale Ernährung und Sondenableitung – ist in ausgewählten Fällen möglich (21).

Der Defektverschluss kann operativ erfolgen (Naht, Neuanlage der Anastomose, Diskontinuitätsresektion) oder endoskopisch durch die Implantation von selbstexpandierenden Metall- oder Kunststoffstents (20, 22), durch Clipverschluss (23) oder Fibrinklebung (24, 25). Am häufigsten erfolgt die Defektüberbrückung durch Stents (26).

Die Drainage des extraluminalen septischen Fokus erfolgt durch externe, perkutan ausgeleitete Drainagen, die entweder im Rahmen einer operativen Revision platziert werden oder interventionell-radiologisch (27).

Eine neue Therapieoption bei Ösophagusleckagen ist die endoskopische Vakuumbehandlung (28), deren suffiziente intrakorporale Anwendung bereits seit Jahren zur Behandlung von Anastomoseninsuffizienzen am Rektum praktiziert wird (29). Die endoskopische Schwammplatzierung ermöglicht die Implantation einer Polyurethanschwammdrainage unter Sicht an jeder Position, die koloskopisch bzw. gastroskopisch zugänglich ist (30, 31). Die Schwammplatzierung kann sowohl rein intraluminal zur Defektversiegelung als auch intrakavitär durch den Defekt hindurch in eine extraluminale Wundhöhle erfolgen (32).

Ergebnisse der endoskopischen Vakuumtherapie bei Ösophagusleckagen

Seit 2007 wird die Anwendung der endoskopischen Vakuumtherapie bei Leckagen am oberen GI-Trakt beschrieben. Bleiben Fallserien unter fünf Patienten unberücksichtigt, finden sich derzeit in der aktuellen Literatur insgesamt 88 Patienten, die wegen eines Ösophagusdefekts mit dem Vakuumverfahren behandelt worden waren.

Die Erfolgsquote lag bei den verschiedenen Arbeitsgruppen zwischen 84,4 und 100 Prozent bei einer Letalität von zehn bis 16,7 Prozent. Als mittlere Therapiedauer wurden 12,1 bis 24,4 Tage angegeben. Durchschnittlich waren 3,9 bis 9,8 Wechsel des Schwammsystems erforderlich (33 – 38).

Nennenswerte therapieassoziierte Komplikationen wie Blutungen durch Gefäßarrosionen und Ausbildung einer ösophagobronchialen Fistel wurden bis dato selten beschrieben (34, 39).

In zwei retrospektiven Studien wurden die Therapieergebnisse von operativer Revision, Stent- und Vakuumbehandlung bei ösophagealer Anastomoseninsuffizienz verglichen (34, 40). Beide Studien ergaben eine Überlegenheit der Vakuumtherapie gegenüber der Stentimplantation. So betrug die Heilungsrate der endoskopischen Vakuumtherapie 84,4 Prozent gegenüber 53,8 Prozent bei endoskopischer Stentimplantation. In einer der Studien wurde die Letalität nach operativer Revision bzw. Stenteinlage und Vakuumtherapie verglichen. In der Gruppe der mittels operativer Revision bzw. mit einem Stent behandelten Patienten verstarben 50 bzw. 42 Prozent während des Klinikaufenthalts, bei den mit endoskopischer Vakuumtherapie behandelten Fällen nur 12 Prozent der Patienten.

Die derzeitige Studienlage legt nahe, dass die endoskopische Vakuumtherapie eine effektive, einfach und minimal-invasiv durchzuführende Methode zur Behandlung von Ösophagusleckagen ist.

2. Aktuell laufende Studien zu diesem Thema

z. Zt. keine Studien

3. Literatur zu diesem Thema

1: Urschel JD (1995) Esophagogastrostomy anastomotic leaks complicating esophagectomy: a review. Am J Surg 169:634–640
2: Martin LW, Swisher SG, Hofstetter W et al (2005) Intrathoracic leaks following esophagectomy are no longer associated with increased mortality. Ann Surg 242:392–399
3: Zieren HU, Muller JM, Pichlmaier H. (1993) Prospective randomized study of one- or two-layer anastomosis following oesophageal resection and cervical oesophagogastrostomy. Br J Surg, 80 (5): 608–611.
4: Gelfand GA, Finley RJ, Nelems B, In- culet R, Evans KG, Fradet G. (1992) Transhiatal esophagectomy for carcinoma of the esophagus and cardia. Experience with 160 cases. Arch Surg, 127 (10): 1164–1167; discussion 1167–1168.
5: Heitmiller RF, Fischer A, Liddicoat JR. (1999) Cervical esophagogastric anastomosis: results following esophagectomy for carcinoma. Dis Esophagus, 12 (4): 264–269.
6: Boyle MJ, Franceschi D, Livingstone AS. (1999) Transhiatal versus transthoracic esophagectomy: complication and survival rates. Am Surg, 65 (12): 1137–1141; discussion 1141–1132.
7: Korst RJ, Port JL, Lee PC, Altorki NK. (2005) Intrathoracic manifestations of cervical anastomotic leaks after transthoracic esophagectomy for carcinoma. Ann Thorac Surg, 80 (4): 1185–1190.
8: Karl RC, Schreiber R, Boulware D, Ba- ker S, Coppola D. (2000) Factors affecting morbidity, mortality, and survival in patients undergoing Ivor Lewis esophagogastrectomy. Ann Surg, 231 (5): 635–643.
9: Nguyen NT, Follette DM, Wolfe BM, Schneider PD, Roberts P, Goodnight JE, Jr. (2000) Comparison of minimally invasive esophagectomy with transthoracic and transhiatal esophagectomy. Arch Surg, 135 (8): 920–925.
10: King RM, Pairolero PC, Trastek VF, Payne WS, Bernatz PE. (1987) Ivor Lewis esophagogastrectomy for carcinoma of the esophagus: early and late functional results. Ann Thorac Surg, 44 (2): 119– 122.
11: Paterson IM, Wong J. (1989) Anastomotic leakage: an avoidable complication of Lewis-Tanner oesophagectomy. Br J Surg, 76 (2): 127–129.
12: Junemann-Ramirez M, Awan MY, Khan ZM, Rahamim JS. (2005) Anastomotic leakage post-esophagogastrectomy for esophageal carcinoma: retrospective analysis of predictive factors, management and influence on longterm survival in a high volume centre. Eur J Cardiothorac Surg, 27 (1): 3–7.
13: Schmid A, Thybusch A, Kremer B, Henne-Bruns D. (2000) Differential effects of radical D2-lymphadenectomy and splenectomy in surgically treated gastric cancer patients. Hepatogastroenterology, 47 (32): 579–585.
14: Brinster CJ, Singhal S, Lee L et al (2004) Evolving options in the management of esophageal perforation. Ann Thorac Surg 77:1475–1483
15: Vidarsdottir H, Blondal S, Alfredsson H et al (2010) Oesophageal perforations in Iceland: a whole population study on incidence, aetiology and surgical outcome. Thorac Cardiovasc Surg 58:476–480
16: Merchea A, Cullinane DC, Sawyer MD et al (2010) Esophagogastroduodenoscopy-associated gastrointestinal perforations: a single-center experience. Surgery 148:876–880
17: Sepesi B, Raymond DP, Peters JH (2010) Esophageal perforation: surgical, endoscopic and medical management strategies. Curr Opin Gastroenterol 26:379–383
18: Biancari F, D’Andrea V, Paone R et al (2013) Current treatment and outcome of esophageal perforations in adults: systematic review and meta-analysis of 75 studies. World J Surg 37:1051–1059
19: Sepesi B, Raymond DP, Peters JH (2010) Esophageal perforation: surgical, endoscopic and medical management strategies. Curr Opin Gastroenterol 26:379–383
20: Vallböhmer D, Holscher AH, Holscher M et al (2010) Options in the management of esophageal perforation: analysis over a 12-year period 4. Dis Esophagus 23:185−190
21: Holscher AH, Fetzner UK, Bludau M, Leers J (2011) Complications and management of complications in oesophageal surgery. Zentralbl Chir 136:213–223
22: Fischer A, Thomusch O, Benz S et al (2006) Nonoperative treatment of 15 benign esophageal perforations with self-expandable covered metal stents. Ann Thorac Surg 81:467–472
23: Nishiyama N, Mori H, Kobara H et al (2013) Efficacy and safety of over-the-scope clip: including complications after endoscopic submucosal dissection. World J Gastroenterol 19:2752–2760
24: Lautermann J, Radecke K, Sudhoff H et al (2007) Management of iatrogenic esophageal perforations. HNO 55:723–728
25: Pross M, Manger T, Reinheckel T et al (2000) Endoscopic treatment of clinically symptomatic leaks of thoracic esophageal anastomoses. Gastrointest Endosc 51:73–76
26: Biancari F, Gudbjartsson T, Mennander A et al (2013) Treatment of esophageal perforation in octogenarians: a multicenter study. Dis Esophagus. DOI 10.1111/dote.12148
27: Freeman RK, Vyverberg A, Ascioti AJ (2011) Esophageal stent placement for the treatment of acute intrathoracic anastomotic leak after esophagectomy. Ann Thorac Surg 92:204–208
28: Loske G, Schorsch T, Muller C (2010) Endoscopic vacuum sponge therapy for esophageal defects. Surg Endosc 24:2531–2535
29: Weidenhagen R, Gruetzner KU, Wiecken T et al (2008) Endoscopic vacuum-assisted closure of anastomotic leakage following anterior resection of the rectum: a new method. Surg Endosc 22:1818–1825
30: Loske G, Schorsch T, Mueller CT (2010) Endoscopic intraluminal vacuum therapy of duodenal perforation. Endoscopy 42(Suppl 2):E109
31: Loske G, Schorsch T, Mueller CT (2010) Endoscopic intracavitary vacuum sponge therapy of anastomotic leakage in the proximal colon after right-sided colectomy. Endoscopy 42(Suppl 2):E171–E172
32: Loske G, Schorsch T, Müller C (2011) Intraluminal and intracavitary vacuum therapy for esophageal leakage: a new endoscopic minimally invasive approach. Endoscopy 43:540–544
33: Bludau M, Holscher AH, Herbold T et al (2013) Management of upper intestinal leaks using an endoscopic vacuum-assisted closure system (E-VAC). Surg Endosc 28:896–901
34: Brangewitz M, Voigtlander T, Helfritz FA et al (2013) Endoscopic closure of esophageal intrathoracic leaks: stent versus endoscopic vacuum-assisted closure, a retrospective analysis. Endoscopy 45:433–438
35: Kuehn F, Schiffmann L, Rau BM, Klar E (2012) Surgical endoscopic vacuum therapy for anastomotic leakage and perforation of the upper gastrointestinal tract. J Gastrointest Surg 16:2145–2150
36: Weidenhagen R, Hartl WH, Gruetzner KU et al (2010) Anastomotic leakage after esophageal resection: new treatment options by endoluminal vacuum therapy. Ann Thorac Surg 90:1674–1681
37: Schniewind B, Schafmayer C, Voehrs G et al (2013) Endoscopic endoluminal vacuum therapy is superior to other regimens in managing anastomotic leakage after esophagectomy: a comparative retrospective study. Surg Endosc 27:3883–3890
38: Heits N, Stapel L, Reichert B et al (2014) Endoscopic endoluminal vacuum therapy in esophageal perforation. Ann Thorac Surg 97:1029–1035
39: Schniewind B, Schafmayer C, Both M et al (2011) Ingrowth and device disintegration in an intralobar abscess cavity during endosponge therapy for esophageal anastomotic leakage. Endoscopy 43(Suppl 2 UCTN):E64–E65
40: Schniewind B, Schafmayer C, Voehrs G et al (2013) Endoscopic endoluminal vacuum therapy is superior to other regimens in managing anastomotic leakage after esophagectomy: a comparative retrospective study. Surg Endosc 27:3883–3890

3. Reviews

1: Schaheen L, Blackmon SH, Nason KS. Optimal approach to the management of intrathoracic esophageal leak following esophagectomy: a systematic review. Am J Surg. 2014 Oct;208(4):536-43.
2: Dasari BV, Neely D, Kennedy A, Spence G, Rice P, Mackle E, Epanomeritakis E. The role of esophageal stents in the management of esophageal anastomotic leaks and benign esophageal perforations. Ann Surg. 2014 May;259(5):852-60.
3: Gomez-Esquivel R, Raju GS. Endoscopic closure of acute esophageal perforations. Curr Gastroenterol Rep. 2013 May;15(5):321.
4: van Boeckel PG, Sijbring A, Vleggaar FP, Siersema PD. Systematic review: temporary stent placement for benign rupture or anastomotic leak of the oesophagus. Aliment Pharmacol Ther. 2011 Jun;33(12):1292-301.
5: Cassivi SD. Leaks, strictures, and necrosis: a review of anastomotic complications following esophagectomy. Semin Thorac Cardiovasc Surg. 2004 Summer;16(2):124-32. Review.
6: Lerut T, Coosemans W, Decker G, De Leyn P, Nafteux P, van Raemdonck D. Anastomotic complications after esophagectomy. Dig Surg. 2002;19(2):92-8. Review.

Gesamtvideo