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Feuerausbrüche oder Verbrennungen während eines operativen Eingriffs sind selten, beschäftigen aber dennoch immer wieder Gerichte und Haftpflichtversicherungen. Wo kommt das Feuer her?

Die Mayo Clinic in Rochester, Minnesota hat in diesem Zusammenhang aus Datenbanken 139 Arzthaftpflichtfälle ermittelt, die sich zwischen 1982 und 2015 in den USA ereigneten und zu Schadensersatz-Prozessen geführt hatten. Am häufigsten waren Allgemeinchirurgen und Anästhesisten betroffen und in fast allen Fällen handelte es sich um offene Operationen. Brände mit offenem Feuer ereigneten sich in 25 Fällen, wovon 60 % auf Eingriffe im Gesicht und 28 % auf HNO-Eingriffe entfielen. In 114 Fällen zogen sich Patienten Verbrennungen zu, die nicht auf eine offene Flamme zurückzuführen waren. In 45 % aller untersuchten Fälle zogen die Patienten sich Brandverletzungen an Stellen zu, die nicht dem OP-Gebiet entsprachen.

Hochenergiegeräte als Zündquelle

Bei der Ursachenermittlung standen mit 43 % an erster Stelle Hochenergiegeräte wie Elektrokauter, Diathermiegerät, Argon-Plasma-Koagulationsgerät und hochenergetischer Ultraschall. Besonders brisant war die unmittelbare Nähe zu einer offenen Sauerstoffquelle. Verbrennungen ohne offenes Feuer waren in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Geräte unachtsam auf den Patienten abgelegt worden waren.

In 54 Fällen konnte der Verbrennungsgrad ermittelt werden. Demnach handelte es sich in 26 % um drittgradige Verbrennungen, in 13 bzw. 1 % zogen die Patienten sich zweit- bzw. erstgradige Brandverletzungen zu. Nach einer Klassifikation der amerikanischen Versicherungsaufsichtsbehörden wurden 77 % der Brandverletzungen als vorübergehend und schwer, 21 % als ernsthaft und mit dauerhaften Einschränkungen verbunden klassifiziert. In zwei Fällen waren die Patienten durch Verbrennungsfolgen an den Atemwegen verstorben; in beiden Fällen war mit Hochenergiegeräten im Rachen gearbeitet worden.

Prävention durch Checkliste

Die Untersuchung der Mayo Clinic kam zu dem Schluss, dass die meisten Fälle von Feuerausbrüchen im OP vermeidbar gewesen wären, weshalb der Prävention große Bedeutung beigemessen wird. Hilfreiche Tipps gibt beispielsweise die Best-Practice-Richtlinie der American Society of Anesthesiologists (ASA). So wird eine Checkliste empfohlen, mit der sichergestellt wird, dass das zum Einsatz kommende OP-Equipment einwandfrei funktioniert. Neben dem sorgfältigen Umgang mit elektrisch betriebenen Gerätschaften ist auch die unablässige Kommunikation der Op-Team-Mitglieder hilfreich, Feuersbrünste im OP zu vermeiden.

Nach Beendigung des Eingriffs sollte zudem jeder Patient vor Verlassen des OPs sorgfältig auf Brandspuren untersucht werden. Ggf. ist auch das Hinzuziehen spezialisierter Kollegen erforderlich, um aufgetretene Schäden umgehend zu behandeln.

Quelle:

Choudhry AJ et al. Surgical fires and operative burns: Lessons learned from a 30 year review of medical litigation. Am J Surg 2017