Operationen an der Schilddrüse werden in Intubationsnarkose mit kontrollierter Beatmung durchgeführt
1. Anästhesiologisch relevante Besonderheiten bei Eingriffen an der Schilddrüse
Präoperativ
Die Schilddrüsenfunktion sollte präoperativ untersucht werden. Eine euthyreote Stoffwechsellage sollte angestrebt werden. Große Strumen können Intubationsschwierigkeiten verursachen. Zur Vorbereitung gehört daher eine Rö-Thoraxaufnahme zur Beurteilung der Trachea (Lage, Einengung). Das präoperative EKG ist auf Zeichen einer hyperthyreoten (z.B. Sinustachykardie, Vorhofflimmern, Endteilveränderungen, Extrasystolie) oder hypothyreoten (z.B. Sinusbradykardie, Blockbilder) Stoffwechsellage hin zu beurteilen.
Bei hyperthyreoten Patienten ist auf eine ausreichende Prämedikation zu achten, wohingegen bei hypothyreoten Patienten die Prämedikation vorsichtig dosiert werden sollte.
Intraoperativ
Aufgrund der halbsitzenden Lagerung mit rekliniertem Kopf, sowie der Lage des Operationsgebietes mit entsprechender Abdeckung, sollte ein Woodbridge-Tubus verwendet werden. Die Pflasterfixierung muss sehr sorgfältig erfolgen, um eine akzidentelle Extubation oder Dislokation des Tubus während der Operation zu verhindern. Die Augen des Patienten sollten zugeklebt werden, um einen sicheren Lidschluss zu gewährleisten.
Wird während des Eingriffes mit Nadelelektroden der N. recurrens stimuliert, kann gelegentlich in den Tubuscuff gestochen werden. Deswegen sollten die Instrumente zur Intubation einschließlich eines Ersatztubus bereitliegen.
Bei großen Strumen oder hyperthyreoter Struma können erhebliche Blutverluste auftreten
Postoperativ
In seltenen Fällen können postoperativ respiratorische Probleme auftreten bei:
Verletzung des N. recurrens
Tracheomalazie
Nachblutung mit erheblicher Hämatombildung
Weichteilschwellung im Operationsgebiet
2. Voraussetzung
Ausführliches Aufklärungsgespräch
Körperliche Untersuchung und Anamnese, ggf. hieraus resultierende Zusatzuntersuchungen
Einverständniserklärung des Patienten
3. Beschreibung des Ablaufes
Gerätecheck durch Anästhesiepflegepersonal
Prämedikation des Patienten durch das Stationspflegepersonal mind. 30 Minuten vor Beginn des Eingriffs mit Midazolamsaft.
Bereithalten des Intrumentariums für schwierige Intubationen, falls große Strumen oder retrosternal gelegene Strumaanteile ein Intubationsserschwernis erwarten lassen (Mc-Coy Spatel, Kehlkopfmasken verschiedener Größen, Fast-Trach® Kehlkopfmaske, Einführunshilfe nach Eschmann, ggf. Fiberoptik)
Präoxygenierung des Patienten mit 100% Sauerstoff
Gabe des Opioides (z. B. Fentanyl, Sufentanil) unter Beachtung der Anschlagszeit
Nach Beginn der Opioidwirkung Injektion des Hypnotikums (z.B. Propofol) bis zum Erlöschen des Lidreflexes
Maskenbeatmung, eventuell unter Zuhilfenahme des Guedel Tubus
Relaxierung des Patienten nach Kontrolle der Maskenbeatmung
Öffnen des Mundes und Kontrolle des Zahnstatus
Anschließend Laryngoskopie und Intubation der Trachea möglichst unter Sicht
Kontrolle der schwarzen Markierung des Tubus
Blocken des Tubus
Beatmung und Auskultation
Sorgfältige Pflasterfixierung des Tubus und des Guedeltubus
Anschließen des Patienten an die Beatmungseinheit im OP–Saal
Kontrolle Kapnometrie
Floweinstellung und Einstellung der FiO2 sowie der Narkosegaskonzentration
Anschließen des Patienten an die Monitorgeräte
Lagerung zur Operation
4. Intraoperatives Monitoring
1 Kanal EKG
Nicht invasive Blutdruckmessung
Pulsoxymetrie
Kapnometrie
Beatmungsparameter (Druck, Volumen)
Endexspiratorische CO2-Messung
In- und exspiratorische Narkosegas- und Sauerstoffmessung
Relaxometrie
Temperaturmessung (Ohrthermometer)
5. Ausleitung der Narkose
Kontrolle Restrelaxierung
Kontrolle Opiatüberhang
Auswaschen des Narkosegases mit erhöhtem Frischgasfluss
Vorbereiten der Absaugeinheit
Spontanisierung des Patienten
Extubation bei vorhandenen Schutzreflexen
Orale- oder endotracheale Absaugung
Beobachtung der Atemtätigkeit nach Extubation
Übergabe des Patienten an den Aufwachraum
6. Aufwachraum
Anschluss an Monitorgeräte (nicht-invasiver Blutdruck, Pulsoxymetrie, EKG Monitor)
Eventuell Sauerstoffgabe
Schmerzanamnese und –therapie
Verordnung einer Schmerztherapie für die Station
Kontrolle der Atemwege, Hämatom, Drainagen
Entlassung des Patienten aus dem Aufwachraum








