Anatomie
Prof. Dr. med. Gebhard Reiss
Universität Witten/Herdecke

1. Chirurgische Anatomie der Bauchwand

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Oberflächliche Schicht
Die oberflächliche Schicht der Bauchwand wird durch die Haut und das darunter liegende Fettgewebe (Panniculus adiposus) gebildet.

Mittlere Schicht
Die mittlere Schicht besteht aus den vorderen und hinteren Bauchmuskeln sowie ihren jeweiligen Faszien.

Vordere Bauchmuskulatur und Rektusscheide
Zu den vorderen Bauchmuskeln zählen drei sehr flache Muskeln und der M. rectus abdominis:
• Die flachen Muskeln strahlen ventral medial in die Rektusscheide ein und inserieren an ihr mittels einer flächigen Sehne (Aponeurose). Von außen nach innen finden sich folgende Muskeln:
• M. obliquus externus abdominis: Dorsal entspringt er von der Fascia thoracolumbalis sowie von den unteren 7 Rippen und zieht als vorderes Blatt der Rektusscheide zur medianen Linea alba sowie zur Crista iliaca des Beckens. Seine Fasern verlaufen dabei schräg von kranial lateral nach kaudal medial.
• M. obliquus internus abdominis: Er zieht von der Linea alba zur Crista iliaca sowie bis zum Vorderrand des Schambeins. Seine Fasern verlaufen ebenfalls schräg von kranial medial nach kaudal lateral (in Fortsetzung des M. obliquus externus abdominis der Gegenseite). Beide Muskeln bilden somit ein schräges Kreuz in der vorderen Bauchwand. Oberhalb der Linea arcuata strahlt er in das vordere und hintere Blatt der Rektusscheide ein, unterhalb der Linea arcuata in das vordere Blatt.
• M. transversus abdominis: Seine Fasern verlaufen von der Fascia thoracolumbalis oder den unteren Rippenknorpeln und dem Becken zur Linea alba nach ventral. Er bildet in der oberen vorderen Bauchwand vor allem das hintere Blatt der Rektusscheide. Unterhalb der Linea arcuata bildet er mit den schrägen Bauchmuskeln das vordere Blatt. Die Hinterwand der 3 Muskeln wird von der Fascia transversalis gebildet.
• Der M. rectus abdominis entspringt beidseits vom Knorpel der 5. bis 7. Rippe und setzt am Schambein in der Nähe der Symphysis pubica an. Durch Zwischensehnen (Intersectiones tendineae) wird der lange Muskel in mehrere Bäuche unterteilt („Waschbrettbauch“). Inkonstant findet sich kaudal vor dem M. rectus abdominis der kleine M. pyramidalis, der die Linea alba verspannt. Die Rektusscheide ist somit ein sehniger Kanal der flachen Bauchmuskeln, der neben dem M. rectus abdominis und M. pyramidalis mehrere Gefäße und Nerven (Aa. und Vv. epigastricae superior und inferior, Nervi intercostales 5-12) enthält.
Zur Beugung und Drehung des Rumpfes sowie für die Bauchpresse wird auf die beschrieben Weise die vordere Bauchwand von den beiden schrägen Bauchmuskeln (M. obliquus externus und internus abdominis, schräges Kreuz) sowie dem M. rectus abdominis und M. transversus abdominis (gerades Kreuz) verspannt.
Der M. cremaster ist eine Abspaltung des M. obliquus internus und M. transversus abdominis. Er bildet um den Samenstrang eine muskuläre Hülle und kann den Hoden nach kranial zu ziehen (Cremasterreflex).

Dorsale Muskulatur
Der dorsale Hauptmuskel der Bauchwand ist der M. quadratus lumborum, der unterhalb des M. transversus abdominis von der untersten Rippe und den Processus costales der Lendenwirbel zur Crista iliaca zieht.

Tiefe Schicht
Die tiefe Schicht der Bauchwand bildet die Fascia transversalis. Sie findet sich an der Innenseite des M. rectus und transversus abdominis als innerste bindegewebige Schicht (nur durch das Peritoneum von der freien Bauchhöhle getrennt) und ist mit der Linea arcuata und dem Leistenband verwachsen. Lateral kaudal befindet sich als Durchtrittspforte der Anulus inguinalis profundus, der den Eingang in den Leistenkanal darstellt.

Blutversorgung und Innervation
Die arterielle Versorgung erfolgt aufgeteilt nach den aufgeführten Schichten der Bauchwand:
• Die oberflächliche und mittlere Schicht werden versorgt von
• den kaudalen Aa. intercostales posteriores (einschl. der A. subcostalis),
• der A. epigastrica superficialis,
• der A. circumflexa ilium superficialis sowie
• der A. pudenda externa.
• Die tiefe Schicht wird versorgt von
• den Aa. lumbales,
• der A. epigastrica inferior,
• der A. circumflexa ilium profunda und
• der A. iliolumbalis.

Das venöse Blut der Bauchwand fließt über Venen (vorwiegend → V. cava inferior) ab, die entsprechend den Arterien benannt sind:
über die V. epigastrica superficialis (→ V. saphena magna) sowie über die V. epigastrica inferior (→ V. iliaca externa). In die Vena cava superior gelangt lediglich das venöse Blut über die Vv. thoracoepigastricae sowie über die Vv. azygos und hemiazygos.

Die Innervation der Bauchwand erfolgt durch Interkostalnerven und Äste des Plexus lumbalis:
• Die unteren Nn. intercostales (einschließlich des N. subcostalis) versorgen, wie beschrieben, den M. obliquus externus abdominis und den M. rectus abdominis.
• Aus dem Plexus lumbalis innerviert der N. iliohypogastricus alle vorderen Bauchwandmuskeln, der N. ilioinguinalis ebenfalls alle vorderen Bauchwandmuskeln mit Ausnahme des M. rectus abdominis, und der N. genitofemoralis versorgt den M. transversus abdominis.
Die Nn. iliohypogastricus und ilioinguinalis ziehen außerdem zwischen den von ihnen innervierten Muskeln zur Haut der vorderen Bauchwand.

Der Lymphabfluss der vorderen Bauchwand erfolgt oberhalb des Bauchnabels nach kranial (in die Nodi axillares und parasternales), unterhalb des Nabels nach kaudal (in die Nodi inguinales superficiales und iliaci). Aus der seitlichen Bauchwand fließt die Lymphe zu den Nodi lumbales.

Perioperatives Management
Herr PD Dr. med. Joachim Conze
Universitätsklinikum Aachen
Herr Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Volker Schumpelick
Universitätsklinikum Aachen

1. Indikationen

Notfallindikation:

    • bei Inkarzeration

Elektive Indikation:

    • bei drohender Inkarzeration
    • bei persistierenden Beschwerden
    • bei sozialer Deprivation
    • bei persistierender Arbeitsunfähigkeit
    • bei Größenzunahme des Fasziendefektes oder der Bruchgeschwulst, denn „jede große Narbenhernie
      war einmal eine kleine Narbenhernie“!

2. Kontraindikationen

Bei elektiven Eingriffen sind infektfreie Hautverhältnisse obligat, Druckulzera und oberflächliche Hautinfektionen sind zunächst primär konservativ zu behandeln.
Die Indikation zur Narbenhernienreparation bei Patienten mit einer Leberzirrhose und Aszitis sollte kritisch abgewogen werden, ggf. ist eine präoperative Optimierung der Leberfunktion zu erwägen.
Wichtig ist auch eine gute, nicht durch akute Infekte kompromitierte respiratorische Situation. Bei respiratorischen Infekten ist ein elektiver Eingriff unbedingt aufzuschieben.

3. Präoperative Diagnostik

Die Narbenhernie ist eine klinische Diagnose und lässt sich meist am stehenden Patienten bereits gut erkennen. Es bietet sich an, den Patienten zusätzlich in entspannter, liegender Position zu untersuchen. Hierbei lässt sich bei reponiblen Narbenhernien der Faszienrand meistens gut tasten. Die Aufforderung an den Patienten, den Oberkörper anzuheben, lässt das Ausmaß des Fasziendefektes und die umgebenden Muskeln meist gut beurteilen.

Durch eine Sonographie der Bauchwand und der Bruchgeschwulst lässt die neben der Grösse des Fasziendefektes und des Bruchsackinhalts, vor allem die Anatomie der Bauchwand darstellen. Wichtige Fragestellungen sind die Lage und Ausdehnung der Bruchlücke zur Bauchwandmuskulatur, zum M. rectus abdominus bei medianen Narbenhernien, und zur lateralen Bauchwandmuskulatur bei Narbenhernien ausserhalb der Rektusscheide.

Bei vorangegangenen Narbenhernienreparationen ist ein entsprechender OP-Bericht oft hilfreich, vor allem wenn bereits eine Netzplastik durchgeführt worden ist. Hierbei ist neben der genauen Operationstechnik (extra- oder intraperitoneale Netzplatzierung, Augmentation oder Überbrückung des Fasziendefektes) vor allem auch die Art des Netzmaterials von Bedeutung.

Ein CT oder MRT ist nur in seltenen Fällen notwendig. Wir sehen gerade bei gigantischen Narbenhernien eine Indikation zur besseren Abschätzung der Bauchwandverhältnisse.

Je nach Grösse des Befundes und Morbidität des Patienten ist eine Lungenfunktionsdiagnostik präoperativ wichtig, um postoperative respiratorische Komplikationen weitestgehend zu vermeiden.

4. spezielle Vorbereitung

    • Wichtigste Vorbereitung ist die ausführliche präoperative Aufklärung des Patienten, wobei neben den allgemeinen Risiken vor allem auf die Möglichkeit einer Wundserombildung hingewiesen werden sollte.
    • Als besonders hilfreich hat sich auch die Betonung der postoperativen Atemtherapie und Mobilisation erwiesen.
    • Eine Darmvorbereitung wird, wenn überhaupt, nur noch bei gigantischen Narbenhernien durchgeführt.

Ansonsten bedarf es keiner speziellen Vorbereitung.

5. Aufklärung

Allgemeiner Teil:

    • Blutung
    • Nachblutung
    • Hämatom
    • Thrombose
    • Embolie
    • Verletzungen von Nachorganen wie Nerven, Gefäße, Blase,Darm
    • Darmpassagestörung (Atonie/Ileus)
    • Wundheilungsstörung
    • Infektion
    • Abszess
    • ggf. Intensivüberwachung.

Spezieller Teil:

    • Bewegungseinschränkung
    • chronische Schmerzen
    • Wundserom
    • Netzdislokation
    • Netzinfektion
    • Netzruptur
    • Rezidiv

6. Anästhesie

    • Aufgrund der aufwendigen anatomischen Präparation bei der retromuskulären Netzaugmentation wird dieser Eingriff in Intubationsnarkose durchgeführt..
    • Als vorteilhaft v.a. für den postoperativen Verlauf bezüglich der Analgesie hat sich die Anlage einesPeriduralkatheters (PDK) bewährt.

7. Lagerung

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– Rückenlage, ggf. ein Arm angelagert.
– Je nach Größe des Befundes leichte Überstreckung des Patienten während der Präparation, bzw. Nullstellung während des Faszienverschlusses

8. OP-Setup

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Typischerweise beginnt die Operation mit rechts-stehendem Operateur, gegenüber der 1. Assistent und links neben diesem die instrumentierende Pflegekraft. In dieser Aufstellung erfolgt zunächst die Präparation des linken Netzlagers, d.h. auf der Seite des Assistenten. Je nach intraoperativer Übersicht kann ein Wechsel des Operateurs und des 1. Assistenten zur Präparation der Gegenseite vorteilhaft sein.

9. Spezielle Instrumentarien und Haltesysteme

Zusatzmaterialien:
Implantate: nicht-resorbierbare, grossporige, oberflächenreduzierte Netze, z.B. aus Polypropylen, Polyester, PVDF

10. Postoperative Behandlung

Postoperative Analgesie: Nicht-steroidale Antirheumatika sind in der Regel ausreichend, ggf. kann eine Steigerung mit opioidhaltigen Analgetika erfolgen.
Folgen Sie hier dem Link zu PROSPECT (Procedures Specific Postoperative Pain Management)
Folgen Sie hier dem Link zu den aktuellen Leitlinien: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/041-001.htm
Thromboseprophylaxe: Für die Dauer des stationären Aufenthalts wird routinemäßig eine
Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin durchgeführt (z.B. gewichts-adaptiert Clexane® s.c.)
Folgen Sie hier dem link zu den aktuellen Leitlinien: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/003-001.htm
Mobilisation: Sobald wie möglich
Krankengymnastik: Intensive Atemtherapie direkt postoperativ sowie frühzeitige Mobilisation
Kostaufbau: Nach Vigilanz kann 4-6 Stunden nach dem Eingriff orale Flüssigkeitszufuhr
angeboten werden. Weiterer Kostaufbau mit Aufbaukoststufe II am Folgetag und Steigerung auf Normalkost je nach Verträglichkeit und Ausmass des Eingriffs.
Stuhlregulation: Bei Ausbleiben von Verdauung sollte ab dem 3. post-operativen Tag zunächst
eine Stuhlregulation mit Klysma bzw. Hebe-Senk-Einlauf erfolgen.
Arbeitsunfähigkeit: Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist abhängig vom Ausmass der Operation und
der Morbidität des Patienten. Stärkere körperliche Belastungen sollten für die Dauer von 3-4 Wochen postoperativ vermieden werden. Ansonsten kann sich der Patient bis zur Schmerzgrenze belasten.

Durchführung
Herr PD Dr. med. Joachim Conze
Universitätsklinikum Aachen
Herr Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Volker Schumpelick
Universitätsklinikum Aachen
Muster-OP-Bericht
Narbenhernienreparation mit offener, retromuskulärer Netzaugmentation

Muster OP-Bericht

1. Exzision der Hautnarbe

http://vimeo.com/83423575
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Die bestehende Hautnarbe wird komplett exzidiert.

2. Freilegung des Fasziendefektes

http://vimeo.com/83423553
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Präparation bis auf die Faszie und Freilegung der gesamten Fasziennarbe.

3. Eröffnung der Leibeshöhle

http://vimeo.com/83423620
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Die Leibeshöhle wird im Bereich des Bruchsacks eröffnet, dabei wird die Fasziennarbe komplett durchtrennt.
Es reicht nicht aus, nur den Fasziendefekt zu sanieren, da im Verlauf der Fasziennarbe häufig weitere Defekte im Sinne einer Gitterhernie bestehen.

4. Lokale Adhäsiolyse

http://vimeo.com/83423642
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Die lokale Adhäsiolyse von viszeralen Organen aus dem Bruchsack und der angrenzenden Bauchdecke ermöglicht eine bessere Übersicht, verhindert iatrogene Darmläsionen bei der weiteren Präparation des Netzlagers.
Anschließend erfolgt die protektive Abdeckung des Bauchraums mit einem warmen, feuchten Tuch.

Bemerkung: Eine inter-enterische Adhäsiolyse sollte nur bei entsprechender Beschwerdesymptomatik erfolgen.

5. Präparation der vorderen Faszie

http://vimeo.com/83423675
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Es erfolgt eine sparsame epifasziale Präparation der vorderen Faszie unter Mitnahme des Bruchsacks. Dies erleichtert die anschließende Präparation des Netzlagers und den späteren Faszienverschluss.

6. Inzision der Rektusscheide

http://vimeo.com/83423787
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Inzision der Rektusscheide vom Faszienrand aus beidseits der Linea alba mit Eröffnung des retromuskulären Raums und Mobilisation bis an den lateralen Rand der Rektusscheide. Dabei sollte die Eröffnung der Rektusscheide so medial wie möglich erfolgen, um ausreichend vordere Faszie für den geplanten Faszienverschluss zu erhalten. Bei der weiteren Präparation nach lateral ist auf die segmentalen Gefässverbindungen der epigastrischen Gefässe zu achten und diese, wenn möglich, zu schonen.
Ziel ist, links wie rechts ein ausreichend großes Netzlager zu präparieren.

7. Präparation des Netzlagers

http://vimeo.com/83423900
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Ziel ist ein ausreichend großes Netzlager mit einer Unterfütterung von mindestens 5 cm nicht nur nach lateral, sondern auch nach kranial und kaudal, zu präparieren. Bei entsprechender Ausdehnung der initialen Inzision kann dies eine scharfe Ablösung des hinteren Blattes der Rektusscheide vom Xiphoid mit Eröffnung des retroxiphoidalen Raums notwendig machen.

Dafür muss das hintere Blatt der Rektusscheide beidseits der Linea alba (LA in der Abb.) auf eine Länge von 5 cm inzidiert werden. Diese Inzision eröffnet den präperitonealen Raum. Das dort liegende präperitoneale Fettgewebe kommt in der Form eines „fatty triangle“ zum Vorschein ( FT in der Abb.).

Nach kaudal wird zunächst der Nabelpfeiler abgelöst. Liegt der kaudale Defektrand unterhalb der Linea arcuata lässt sich der präperitoneale/retrosymphysäre Raum stumpf präparieren.

Bemerkung:

Im Video wird als erstes die kaudale Präparation gezeigt.

8. Verschluss der Bauchhöhle

http://vimeo.com/83423892
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Verschluss der Bauchhöhle durch fortlaufende Naht des Peritoneums/Bruchsacks, wenn möglich unter Einbeziehung der hinteren Rektusscheide mit resorbierbarem Nahtmaterial der Stärke 1-0. Hierbei geht es vor allem um die Vermeidung eines direkten Netzkontakts mit den Baucheingeweiden.

9. Ausmessen des Netzlagers

http://vimeo.com/83423983
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Nach subtiler Blutstillung erfolgt das Ausmessen des Netzlagers und das Festlegen der Größe der Netzprothese.
Dabei sollte auf eine Überlappung des verschlossenen Defektes von mindestens 5-6 cm in alle Richtungen geachtet werden.

10. Netzplatzierung und Fixation

http://vimeo.com/83424100
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Je nach dem, welche Netzprothese zum Einsatz kommt, sollte die größte Netzelastizität in Muskelfaserrichtung ausgerichtet werden.
Bei der Platzierung wird auf eine faltenfreie, plane Lage der Prothese geachtet.

Bei der retromuskulären Netzaugmentation wird das Netz zur Verstärkung der Bauchwand eingesetzt, nicht als Bauchwandersatz. Bei der Augmentation setzen wir nicht-resorbierbare, grossporige, oberflächenreduzierte Netzprothesen ein.

Die Netzfixation erfolgt mit wenigen Einzelknopfnähten (geflochten, resorbierbar 3/0) auf dem hinteren Blatt der Rektusscheide, mit einem Abstand vom Netzrand von mindestens 1 cm.

Bemerkung:

Die Einlage einer Redondrainage in den retromuskulären Raum ist nicht zwingend und sollte Fall bezogen entschieden werden.

11. Faszienverschluss der vorderen Rektusscheide

http://vimeo.com/83424180
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Fortlaufender, spannungsarmer Faszienverschluß der vorderen Rektusscheide zur Wiederherstellung der Linea alba mit nicht-resorbierbarem Nahtmaterial (hier Schlingennaht Stärke 1).

Bemerkung:

Bei zu starker Spannung (cave Beatmungsdruck) wird eine Bauchwand-Komponenten-Separation nach Ramirez empfohlen.
Durch den Verschluss der vorderen Rektusscheide über der eingebrachten Netzprothese kommt das Netz zwischen den Bauchschichten zu liegen, wobei die vordere Faszie als Widerlager für den intraabdominellen Druck wirkt.

12. Refixation des Bauchnabels und schichtweiser Wundverschluss

http://vimeo.com/83424221
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Nach Refixation des Nabels auf der rekonstruierten Linea alba erfolgt der schichtweise Wundverschluss bestehend aus Subkutannaht und fortlaufender, resorbierbarer Intrakutannaht oder Hautklammernaht.
Ein steriler Kompressenverband und die Anlage eines elastischen Bauchgurts beenden die Operation.

Komplikationen
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Herr Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Volker Schumpelick
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1. Intraoperative Komplikationen

Verletzungen von Bruchinhalt

  • z.B. Darm
  • Therapie: sofortige Übernähung
  • Prophylaxe: sorgfältige, schichtweise Präparation, ggf. Beginn der Präparation im defektfreien Bereich, von da aus Darstellen des Fasziendefektes und des Bruchinhaltes.

Gefässverletzung

  • v.a. epigastrische Gefässe oder deren Äste am lateralen Rand der Rektusscheide
  • Therapie: sofortige Umstechung/Blutstillung

Unvermögen, die vordere Rektusscheide zu verschliessen

  • Therapie: Bauchwand-Komponenten-Separation nach Ramirez oder ggf. Bridging-Technik

2. Postoperative Komplikationen

Je nach Ausmaß der Hernienreparation kann es postoperativ zu folgenden Komplikationen kommen:

Darmatonie

  • Therapie: nüchtern, ggf. Magensonde, feuchte Wärme, Einläufe
  • Prophylaxe: PDK, Mobilisation

Hämatom

  • Therapie: je nach Ausmass ggf. Revision mit Hämatomausräumung
  • Prophylaxe: sorgfältige Blutstillung

Wundinfektion oberflächlich

  • Therapie: konservatives Vorgehen mit offener Wundbehandlung
  • Prophylaxe: präoperative Antibiotikagabe (z.B. Cephalosporin)

Wundinfektion subfaszial mit Netzbeteiligung

  • Therapie: je nach Netzmaterial (grossporig) offene Wundbehandlung, ggf. VAC
  • Prophylaxe: Öffnung der Netzverpackung erst unmittelbar vor der Implantation

Serombildung

  • Definition: im Wundbereich befindliche Hohlräume, die mit Lymphe und Wundsekret gefüllt sind.
  • Klinik: Schwellung, die nicht druckdolent oder verfärbt ist.
  • Diagnostik: Sonographie
  • Therapie: Sollte die Größe des Seroms zu klinischen Symptomen führen, kann im Einzelfall eine Punktion (absolut steril!) durchgeführt werden. Ansonsten ist eine Kontrolle und Befundbesprechung ausreichend. Bei Rezidivseromen sollte nicht mehrfach punktiert, sondern dann eine sonographisch-kontrollierte Drainage eingelegt und für einige Tage konsequent abgeleitet werden. Gleiches gilt für den seltenen Fall, dass sich aus dem Serom eine Infektion entwickeln sollte. In seltenen Fällen bei Ausbildung einer Seromkapsel operative Exzision.
  • Prophylaxe: sparsame epifasziale Präparation

Chronischer Schmerz

  • Therapie: je nach möglicher Ursache z.B. Exzision Fadengranulom.
Evidenz
Herr PD Dr. med. Joachim Conze
Universitätsklinikum Aachen
Herr Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Volker Schumpelick
Universitätsklinikum Aachen

Literatursuche unter: http://www.pubmed.com

1. Zusammenfassung der Literatur

screen-capture

Bei der Narbenhernie handelt es sich um eine Erkrankung des Bindegewebes, mit einer Störung der Kollagensynthese. Dies erklärt die Notwendigkeit einer Verstärkung/Unterfütterung der gesamten Fasziennarbe (10,15-17).

Konventionelle Nahtverfahren sollten bei der Narbenhernienreparation nicht mehr verwendet werden, da diese Methode mit einer sehr hohen Rezidivquote einhergeht. Je nach Länge der Nachbeobachtungszeit liegt die Rezidivhäufigkeit bei > 60 % (1,7,23,29). ↑↑

Bei den offenen Verfahren zur medianen Narbenhernienreparation hat sich die retromuskuläre Netzaugemtation als Standardverfahren etabliert. In retrospektiven Patientenkollektiven liegt die Rezidivrate zwischen 2 und 7,3 % (s.Tabelle). Bislang liegt zur retromuskulären Netzaugementation nur eine prospektiv randomisierte Studie vor (3). ↑↑

2. Aktuell laufende Studien

Vergleich laparoskopische vs. offene Narbenhernioplastik (Europa): Lapsis-Studie

Vergleich laparoskopische vs. offene Narbenhernioplastik (USA)

Vergleich verschiedener Netzfixationstechniken: LACH-Studie (Holland)

Vergleich des funktionellen Ergebnisses nach Narbenhernienreparation: offen vs. laparoskopische Reparation(Schweiz)

Vergleich kompletter vs. partieller Narbenhernienverschluss: COMPAC-Trial (Belgien)

Vergleich von offenenr retromuskulärer vs. laparoskopischer Narbenhernienreparation: ProLOVE-Studie (Schweden)

Watchfull Waiting of Incisional Hernias

Vergleich von Optilene®elastic vs. Ultrapro® bei der Narbenhernienreparation

Narbenhernienreparation mit Netzverstärkung – Multizentrische, prospektive, randomisierte Studie zum Vergleich von Ultrapro® mit Premilene® (Ultrapro® -Studie): www.ultrapro-studie.rwth-aachen.de

Zu weiteren laufenden Studien siehe: www.controlled-trials.com

3. Literatur zu diesem Thema

1. Burger JW, Luijendijk RW, Hop WC, Halm JA, Verdaasdonk EG, Jeekel J (2004) Long-term follow-up of a randomized controlled trial of suture versus mesh repair of incisional hernia. Ann Surg 240:578-583
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3. Conze J, Kingsnorth AN, Flament JB, Simmermacher R, Arlt G, Langer C, Schippers E, Hartley M, Schumpelick V (2005) Randomized clinical trial comparing lightweight composite mesh with polyester or polypropylene mesh for incisional hernia repair. Br.J Surg 92:1488-1493
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