Anatomie
Prof. Dr. med. Gebhard Reiss
Universität Witten/Herdecke

1. Anatomie der vorderen Bauchwand

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Oberflächliche Schicht
Die oberflächliche Schicht der Bauchwand wird durch die Haut und das darunter liegende Fettgewebe (Panniculus adiposus) gebildet.

Mittlere Schicht
Die mittlere Schicht besteht aus den vorderen und hinteren Bauchmuskeln sowie ihren jeweiligen Faszien.

Vordere Bauchmuskulatur und Rektusscheide
Zu den vorderen Bauchmuskeln zählen drei sehr flache Muskeln und der M. rectus abdominis. Die flachen Muskeln strahlen ventral medial in die Rektusscheide ein und inserieren an ihr mittels einer flächigen Sehne (Aponeurose). Von außen nach innen finden sich folgende Muskeln:
• M. obliquus externus abdominis: Dorsal entspringt er von der Fascia thoracolumbalis sowie von den unteren 7 Rippen und zieht als vorderes Blatt der Rektusscheide zur medianen Linea alba sowie zur Crista iliaca des Beckens. Seine Fasern verlaufen dabei schräg von kranial lateral nach kaudal medial.
• M. obliquus internus abdominis: Er zieht von der Linea alba zur Crista iliaca sowie bis zum Vorderrand des Schambeins. Seine Fasern verlaufen ebenfalls schräg von kranial medial nach kaudal lateral (in Fortsetzung des M. obliquus externus abdominis der Gegenseite). Beide Muskeln bilden somit ein schräges Kreuz in der vorderen Bauchwand. Oberhalb der Linea arcuata strahlt er in das vordere und hintere Blatt der Rektusscheide ein, unterhalb der Linea arcuata in das vordere Blatt.
• M. transversus abdominis: Seine Fasern verlaufen von der Fascia thoracolumbalis oder den unteren Rippenknorpeln und dem Becken zur Linea alba nach ventral. Er bildet in der oberen vorderen Bauchwand vor allem das hintere Blatt der Rektusscheide. Unterhalb der Linea arcuata bildet er mit den schrägen Bauchmuskeln das vordere Blatt. Die Hinterwand der 3 Muskeln wird von der Fascia transversalis gebildet.
• Der M. rectus abdominis entspringt beidseits vom Knorpel der 5. bis 7. Rippe und setzt am Schambein in der Nähe der Symphysis pubica an. Durch Zwischensehnen (Intersectiones tendineae) wird der lange Muskel in mehrere Bäuche unterteilt („Waschbrettbauch“). Inkonstant findet sich kaudal vor dem M. rectus abdominis der kleine M. pyramidalis, der die Linea alba verspannt. Die Rektusscheide ist somit ein sehniger Kanal der flachen Bauchmuskeln, der neben dem M. rectus abdominis und M. pyramidalis mehrere Gefäße und Nerven (Aa. und Vv. epigastricae superior und inferior, Nervi intercostales 5-12) enthält.

Funktion
Zur Beugung und Drehung des Rumpfes sowie für die Bauchpresse wird auf die beschriebene Weise die vordere Bauchwand von den beiden schrägen Bauchmuskeln (M. obliquus externus und internus abdominis, schräges Kreuz) sowie dem M. rectus abdominis und M. transversus abdominis (gerades Kreuz) verspannt.
Der M. cremaster ist eine Abspaltung des M. obliquus internus und M. transversus abdominis. Er bildet um den Samenstrang eine muskuläre Hülle und kann den Hoden nach kranial ziehen (Cremasterreflex).

Tiefe Schicht
Die tiefe Schicht der Bauchwand bildet die Fascia transversalis. Sie findet sich an der Innenseite des M. rectus abdominis und M. transversus abdominis als innerste bindegewebige Schicht (nur durch das Peritoneum von der freien Bauchhöhle getrennt) und ist mit der Linea arcuata und dem Leistenband verwachsen. Lateral kaudal befindet sich als Durchtrittspforte der Anulus inguinalis profundus, der den Eingang in den Leistenkanal darstellt.

Dorsale Muskulatur
Der dorsale Hauptmuskel der Bauchwand ist der M. quadratus lumborum, der unterhalb des M. transversus abdominis von der untersten Rippe und den Processus costales der Lendenwirbel zur Crista iliaca zieht.

Blutversorgung und Innervation
Die arterielle Versorgung erfolgt aufgeteilt nach den aufgeführten Schichten der Bauchwand:
• Die oberflächliche und mittlere Schicht werden versorgt von
→ den kaudalen Aa. intercostales posteriores (einschl. der A. subcostalis),
→ der A. epigastrica superficialis,
→ der A. circumflexa ilium superficialis sowie
→ der A. pudenda externa.
• Die tiefe Schicht wird versorgt von
→ den Aa. lumbales,
→ der A. epigastrica inferior,
→ der A. circumflexa ilium profunda und
→ der A. iliolumbalis.

Das venöse Blut der Bauchwand fließt über Venen (vorwiegend → V. cava inferior) ab, die entsprechend den Arterien benannt sind:
Über die V. epigastrica superficialis (→ V. saphena magna) sowie über die V. epigastrica inferior (→ V. iliaca externa). In die Vena cava superior gelangt lediglich das venöse Blut über die Vv. thoracoepigastricae sowie über die Vv. azygos und hemiazygos.

Die Innervation der Bauchwand erfolgt durch Interkostalnerven und Äste des Plexus lumbalis:
• Die unteren Nn. intercostales (einschließlich des N. subcostalis) versorgen, wie beschrieben, den M. obliquus externus abdominis und den M. rectus abdominis.
• Aus dem Plexus lumbalis innerviert der N. iliohypogastricus alle vorderen Bauchwandmuskeln, der N. ilioinguinalis ebenfalls alle vorderen Bauchwandmuskeln mit Ausnahme des M. rectus abdominis, und der N. genitofemoralis versorgt den M. transversus abdominis.
Die Nn. iliohypogastricus und ilioinguinalis ziehen außerdem zwischen den von ihnen innervierten Muskeln zur Haut der vorderen Bauchwand.

Der Lymphabfluss der vorderen Bauchwand erfolgt oberhalb des Bauchnabels nach kranial (in die Nodi axillares und parasternales), unterhalb des Nabels nach kaudal (in die Nodi inguinales superficiales und iliaci). Aus der seitlichen Bauchwand fließt die Lymphe zu den Nodi lumbales.

Perioperatives Management
Herr Dr. med. K. H. Moser
Krankenhaus Merheim

1. Indikationen

Narbenhernien stellen in der Regel eine Operationsindikation dar.
Die beschriebene Methode eignet sich für kleinere Hernien der vorderen Bauchwand.

2. Kontraindikationen

Durch die Voroperationen liegt meist eine Komorbidität vor.
Vorsicht ist geboten bei:

  • Leberzirrhose
  • fortgeschrittenem Tumorleiden
  • kardiopulmonalem Risiko

3. Präoperative Diagnostik

  • Die Narbenhernie ist eine klinische Diagnose und lässt sich am stehenden Patienten bereits gut erkennen. Es bietet sich an, den Patienten zusätzlich in entspannter, liegender Position zu untersuchen. Hierbei lässt sich bei reponiblen Narbenhernien der Faszienrand meistens gut tasten. Die Aufforderung an den Patienten, den Oberkörper anzuheben, lässt das Ausmaß des Fasziendefektes und die umgebenden Muskeln gut beurteilen.
  • Durch eine Sonographie der Bauchwand und der Bruchgeschwulst lässt sich neben der Grösse des Fasziendefektes und des Bruchsackinhaltes vor allem die Anatomie der Bauchwand darstellen. Wichtige Fragestellungen sind die Lage und Ausdehnung der Bauchwandmuskulatur,wie des M. rectus abdominus bei medianen Narbenhernien, und der lateralen Bauchwandmuskulatur bei Narbenhernien außerhalb der Rektusscheide. Bei adipösen Patienten sollte sie immer durchgeführt werden.
  • Bei vorangegangenen Narbenhernienreparationen ist ein entsprechender OP-Bericht oft hilfreich, vor allem, wenn bereits eine Netzplastik durchgeführt worden ist. Hierbei ist neben der genauen Operationstechnik (extra- oder intraperitoneale Netzplatzierung, Augmentation oder Überbrückung des Fasziendefektes) auch die Art des Netzmaterials von Bedeutung.
  • Ein CT oder MRT ist nicht zwingend erforderlich. Hilfreich kann sie bei Narbenhernien oder Sonderfällen, wie inneren Hernien, sein. Wir sehen vor allem bei gigantischen Narbenhernien eine Indikation zur besseren Abschätzung der Bauchwandverhältnisse.
  • Je nach Grösse des Befundes und Morbidität des Patienten ist eine Lungenfunktionsdiagnostik präoperativ wichtig, um postoperative respiratorische Komplikationen weitestgehend zu vermeiden.

4. Spezielle Vorbereitung

  • Wichtigste Vorbereitung ist die ausführliche präoperative Aufklärung des Patienten, wobei neben den allgemeinen Risiken vor allem auf die Möglichkeit einer Wundserombildung hingewiesen werden sollte.
  • Als besonders hilfreich hat sich auch die Betonung der postoperativen Atemtherapie und Mobilisation erwiesen.
  • Eine Darmvorbereitung wird, wenn überhaupt, nur noch bei sehr großen Narbenhernien durchgeführt.

5. Aufklärung

Allgemeiner Teil:

  • Blutung
  • Nachblutung
  • Hämatom
  • Thrombose
  • Embolie
  • Verletzungen von Nachbarorganen wie Darm, Nerven, Gefäße oder Harnblase
  • Darmpassagestörung (Atonie/Ileus)
  • Wundheilungsstörung
  • Infektion
  • Abszess
  • ggf. Intensivüberwachung.

Spezieller Teil:

  • Bewegungseinschränkung
  • chronische Schmerzen
  • Wundserom
  • Netzdislokation
  • Netzinfektion
  • Netzruptur
  • Rezidiv.

6. Anästhesie

Intubationsnarkose

7. Lagerung

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  • Lagerung des Patienten in Rückenlage, ggf. ein Arm angelagert.
  • Je nach Grösse des Befundes leichte Überstreckung des Patienten während der Präparation, bzw. Nullstellung während des Faszienverschlusses.

8. OP-Setup

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Typischerweise beginnt die Operation mit rechts-stehendem Operateur, ihm gegenüber steht der 1. Assistent und links neben diesem die instrumentierende Pflegekraft. In dieser Aufstellung erfolgt zunächst die Präparation des linken Netzlagers, d.h. auf der Seite des Assistenten. Je nach intraoperativer Übersicht kann ein Wechsel des Operateurs und des 1. Assistenten zur Präparation der Gegenseite vorteilhaft sein.

9. Spezielle Instrumentarien und Haltesysteme

Selbst expandierendes Kunststoffnetz z.B. Ventralex™ Hernien-Patch: Bestehend aus einer parietalen Polypropylen-Schicht und einer viszeralen ePTFE-Seite mit überstehendem ePTFE-Rand.
Während die Polypropylen-Schicht das Einwachsen in die Bauchwand begünstigt, minimiert die ePTFE-Schicht die Gefahr von Darmadhäsionen an das Netz.

10. Postoperative Behandlung

Postoperative Analgesie: Nicht-steroidale Antirheumatika sind in der Regel ausreichend, ggf. kann eine Steigerung mit opioidhaltigen Analgetika erfolgen.
Folgen Sie hier dem Link zu PROSPECT (Procedures Specific Postoperative Pain Management)
Folgen Sie hier dem Link zu den aktuellen Leitlinien: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/041-001.htm
Thromboseprophylaxe: Für die Dauer des stationären Aufenthalts wird routinemäßig eine Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin durchgeführt (z.B. gewichts-adaptiert Clexane® s.c.).
Folgen Sie hier dem Link zu den aktuellen Leitlinien: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/003-001.htm
Mobilisation: Sobald wie möglich.
Krankengymnastik: Intensive Atemtherapie direkt postoperativ sowie frühzeitige Mobilisation.
Kostaufbau: Nach Vigilanz kann 4-6 Stunden nach dem Eingriff orale Flüssigkeitszufuhr angeboten werden. Weiterer Kostaufbau mit Aufbaukoststufe II am Folgetag und Steigerung auf Normalkost je nach Verträglichkeit und Ausmass des Eingriffs.
Stuhlregulation: Bei Ausbleiben von Verdauung sollte ab dem 3. postoperativen Tag zunächst eine Stuhlregulation mit Klysma bzw. Hebe-Senk-Einlauf erfolgen.
Arbeitsunfähigkeit: Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist abhängig vom Ausmass der Operation und
der Morbidität des Patienten. Stärkere körperliche Belastungen sollten für die Dauer von 3-4 Wochen postoperativ vermieden werden. Ansonsten kann sich der Patient bis zur Schmerzgrenze belasten.

Durchführung
Herr Dr. med. K. H. Moser
Krankenhaus Merheim

1. Hautschnitt

http://vimeo.com/83464798
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Hautschnitt im Bereich der alten Narbe über der tastbaren Bruchgeschwulst. Eine komplette Eröffnung der alten Narbe ist wichtig, um Gitterbrüche nicht zu übersehen.

2. Darstellung des Bruchsacks

http://vimeo.com/83465265
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Präparation des Bruchsacks und Darstellen der Faszienränder.

3. Eröffnung des Bruchsacks

http://vimeo.com/83465612
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Der Bruchsack wird eröffnet und entfernt, der Bruchsackinhalt reponiert. Die Bruchlücke ist ca. 3,5 cm groß.

4. Vorbereitung der Netzeinlage

http://vimeo.com/83466111
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Es wird nun eine intraabdominelle Fläche geschaffen, die die gesamte Bruchfläche mindestens 5 cm in alle Richtungen überlappt. Dabei werden sämtliche lokalen Verwachsungen gelöst. Abschließend erfolgt eine digitale Überprüfung, ob ein Gitterbruch vorliegt.

Bemerkung: Vor der Einlage des Netzes müssen sämtliche Gitterbrüche beseitigt werden, indem die einzelnen, teilweise schlitzartigen Bruchlücken miteinander verbunden werden.

5. Einlegen des Netzes

http://vimeo.com/83466497
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Um eine ausreichende Überlappung des Herniendefektes zu gewährleisten, sollte das Netz doppelt so groß wie der Defekt sein. Zunächst wird das Netz oder Patch, ein Ventralex Mesh™ (6,4cm x 6,4 cm), außerhalb der Bauchhöhle nach oben geklappt und mit einer atraumatischen Klemme gefasst, so dass die Fixierungsbänder hinter der Klemme zu liegen kommen. Nach dem Verbringen des gefalteten Patches in die Bauchhöhle sorgt der Memoryring dafür, dass der Patch wieder seine ursprüngliche Form annimmt und flach an der Bauchwand anliegt. Zusätzlich erfolgt eine genaue, digitale Kontrolle, ob der Patch flach anliegt.

6. Fixation des Netzes; Faszienverschluss

http://vimeo.com/83467223
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Die Positionierungsbänder werden gekürzt und mit nicht resorbierbaren Einzelknopfnähten am Faszienrand fixiert, sodass kein Darm zwischen Bauchwand und Netz rutschen kann.

Bemerkung:  Der Zug an den Positionierungsbändern muss wohl dosiert sein, um eine krümmende Deformierung zu verhindern (Darmadhäsion!,Rezidiv).

Dann erfolgt der Verschluss der Faszie durch eine quere Naht der Faszienränder mit Einzelknopfnähten in einem Abstand von 1 cm mit einem nicht resorbierbaren Faden 2-0.
Zur Seromprophylaxe optional Einlage einer Redondrainage.

7. Verschluss

http://vimeo.com/83467680
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Das Subkutangewebe wird mit einer fortlaufenden Vicrylnaht adaptiert. Zum Abschluss der Operation wird die Haut mit einer Intrakutannaht verschlossen.

Komplikationen
Herr Dr. med. K. H. Moser
Krankenhaus Merheim

1. Intraoperative Komplikationen

Intraoperative Blutung

  • Blutungen sind durch Anwendung blutungsstillender Verfahren, wie Kompression, Koagulationsverfahren oder bei Sickerblutung durch Applikation von Fibrinkleber, unter Sicht kontrollierbar.

Darmverletzung

  • Kommt es intraoperativ zu einer akzidentellen, iatrogenen Darmläsion, sollte unverzüglich eine Übernähung erfolgen. Bei fehlender Übersicht oder mangelnder Sicherheit der Darmnaht Laparotomie und Darmübernähung bzw. Darmresektion mit Anastomose. Bei begrenzter Kontamination der Bauchhöhle nach Dünndarmläsion ist nach ausgiebiger Lavage dennoch eine Netzimplantation möglich. Nach Kolonläsion sollte hingegen auf jeden Fall eine zweizeitige Versorgung erfolgen.

2. Postoperative Komplikationen

Unbemerkte Darmläsion

  • Klinik: Patient erholt sich nicht von der Operation, Bauchschmerzen, Übelkeit, Abwehrspannung, Peritonitiszeichen
  • Therapie: Reoperation mit Detektion der Darmläsion und Übernähung, ggf. Resektion und abdominelle Lavage sowie bei bestehender Peritonitis antibiotische Behandlung für mindestens 1 Woche, bei Faszien-/Netzinfekt ggf. Netzexplantation.

Ausgedehnte Adhäsiolyse

  • Bei ausgedehnten Adhäsiolysen postoperative Darmstimulation mit Prostigmin empfohlen. Bei klinischen Subileuszeichen Intensivierung der konservativen Darmstimulation.

Postoperative Darmparalyse

  • Therapie: Einsatz prokinetischer Substanzen wie Metoclopramid, Prostigmin.

Manifester Ileus

  • Klinik: Abwehrspannung, druckschmerzhaftes Abdomen, radiologisch Luftsicheln, laborchemisch ggf. Laktaterhöhung.
  • Therapie: Reoperation, Detektion und Behebung der Ursache.

Chronischer Schmerz

  • Therapie: NSAR, ggf. lokale Nervenblockade z.B. des N. ilioinguinalis

Wundinfektion/Netzinfekt

  • Therapie: zunächst konservativ mit Antibiose; wenn antibiotisch nicht zu kontrollieren, bei Versagen oder Nichtansprechen der konservativen Therapie erfolgt eine Reoperation mit Netzexplantation.

Serom

  • Definition: im Wundbereich befindliche Hohlräume, die mit Lymphe und Wundsekret gefüllt sind.
  • Klinik: Schwellung, die nicht druckdolent oder verfärbt ist.
  • Diagnostik: Sonographie
  • Therapie: Sollte die Größe des Seroms zu klinischen Symptomen führen, kann im Einzelfall eine Punktion (absolut steril!) durchgeführt werden. Ansonsten ist eine Kontrolle und Befundbesprechung ausreichend. Bei Rezidivseromen sollte nicht mehrfach punktiert, sondern eine sonographisch-kontrollierte Drainage eingelegt und für einige Tage konsequent abgeleitet werden. Gleiches gilt für den seltenen Fall, dass sich aus dem Serom eine Infektion entwickeln sollte.

Hämatom

  • Therapie: sonographische Kontrolle, bei Größenprogredienz ggf. Punktion oder Revision.

Rezidiv

  • Therapie: bei Größenprogredienz ggf. Reoperation mit Netzneuimplantation.
Evidenz
Herr PD Dr. med. Joachim Conze
Universitätsklinikum Aachen

1. Zusammenfassung der Literatur

Die Inzidenz der Narbenhernie wird im Rahmen von 2-11 % angegeben (5, 7, 20). Neuere Studien berichten sogar über eine Inzidenz von 15 % und mehr (9). In einer prospektiven Studie fanden Mudge und Hughes über einen Zeitraum von 9 Jahren eine Narbenhernie in 18,4% der nachuntersuchten Patienten (16). Untersuchungen der Chirurgischen Klinik der RWTH Aachen konnten diese Zahlen belegen (8). Geht man von einer Inzidenz von 15 % aus, ist in der BRD mit 100.000 Narbenhernien pro Jahr zu rechnen (23).

Um die inakzeptabel hohen Rezidivquoten von bis zu 50 % nach konventioneller Narbenhernienreparation (11, 13, 18, 25) auf unter 10 % senken zu können, werden heutzutage nahezu ausnahmslos Kunststoffnetze zur Narbenbruchversorgung eingesetzt (1, 22, 28).

In einer randomisierten Studie mit 200 Patienten konnte Arroyo in 2001 zeigen, das auch kleine ventrale Hernien von einer Netzversorgung profitieren, die Rezidvrate ging im Nachbeobachtungszeitraum von 64 Monaten von 11 auf 1 % zurück (2). Andere Studien kamen zu dem gleichen Ergebnis (12, 19).

Neben dem Vorteil einer sicheren Narbenbruchreparation kann die Implantation alloplastischer Materialien allerdings mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden sein. Berichte über erhöhte Raten an lokalen Wundkomplikationen und Netzwanderungen mit der Gefahr der Arrosion von Nachbarorganen wie Darm oder Blase sind bekannt (4, 21). Darüber hinaus können die Netze zu dauerhaften postoperativen Beschwerden im Sinne von lokalen Mißempfindungen, Schmerzen oder Einschränkungen der Bauchwandbeweglichkeit führen (15, 26).

Die offene, intraperitoneale Versorgung kleiner Narbenhernien, Umbilikalhernien und epigastrischer Hernien mit einem Ventralex™ Hernia Patch ist eine elegante, schnelle und relativ einfach zu erlernende Methode, die die Versorgung kleiner Hernien mit alloplastischem Material über einen Zugang ermöglicht, der kaum größer als die Faszienlücke selbst ist. Die Studienlage zum intraperitoneal platzierten Patch ist unbefriedigend :

  • In 2006 berichtete Hadi (6) von seinen Erfahrungen bei 51 Patienten, von denen er jedoch nur 30 (58,8 %) über einen Zeitraum von 12 Monaten nachbeobachten konnte. An Komplikationen traten ein Serom, zwei geringfügige Wundinfektionen sowie ein Rezidiv auf.
  • In 2008 berichtete Martin (14) von seinen Ergebnissen bei 88 Patienten, deren Nachbeobachtung sich jedoch lediglich auf 27 Tage (!) beschränkte. An Komplikationen wurden zwei Wundinfekte beschrieben, die zu einer Explantation der Ventralex™ Hernia Patches führte.
  • Iversen (10) berichtete in 2010 von einer Fallserie von 152 Patienten, von denen er 81 % über 15,6 Monate nachbeobachten konnte. Komplikationen traten bei 11,8 % auf: 4 Patienten hatten Rezidive (2,6 ), 3,3Netzexplantationen wegen Wundinfekten oder chronischer Schmerzen.
  • In 2011 veröffentlichte Tollens (24) die Ergebnisse von 135 Patienten, die er 49 Monate nachbeobachten konnte. In Anbetracht der hohen Rezidivrate von fast 9 % mahnte er eine sorgfältige präoperative Auswahl für einen intraperitonealen Patch geeigneter Patienten an sowie eine subtile Platzierung des Patches.
  • Bereits 2010 berichtete Muysoms (17) von schweren Komplikationen nach intraperitonealer Patch-Versorgung bei Umbilikalhernien, bei denen es zur Patch-Penetration in den Darm gekommen war. Zudem wurden Rezidive entdeckt, die ursächlich auf eine Patch-Schrumpfung zurückzuführen waren.

2. Aktuell laufende Studien zu diesem Thema

Intraperitoneal Mesh With 3cm Overlap Versus a Rives-Stoppa Repair With a 6cm Overlap in Hernia Umbilicalis

Long Term Complaints After Elective Repair for Small Umbilical or Epigastric Hernias

Comparative Effectiveness Multicenter Trial for Adhesion Characteristics of Ventral Hernia Repair Mesh

Zur Akutalisierung siehe www.controlled-trials.com

3. Literatur zu diesem Thema

1: Amid PK, Lichtenstein IL. Retromuscular alloplasty of large scar hernias: a simple staple attachment technique. Chirurg. 1996 Jun;67(6):648-52. German. PubMed PMID: 8767099.

2: Arroyo A, Garci¬a P, Perez F, Andreu J, Candela F, Calpena R. Randomized clinical trial comparing suture and mesh repair of umbilical hernia in adults. Br J Surg. 2001 Oct;88(10):1321-3. PubMed PMID: 11578284.

3: Berrevoet F. Intraperitoneal mesh repair of small ventral abdominal wall hernias with a Ventralex hernia patch: a critical note. Dig Surg. 2011;28(5-6):372. Epub 2011 Nov 30. PubMed PMID: 22134184.

4: Brown GL, Richardson JD, Malangoni MA, Tobin GR, Ackerman D, Polk HC Jr. Comparison of prosthetic materials for abdominal wall reconstruction in the presence of contamination and infection. Ann Surg. 1985 Jun;201(6):705-11. PubMed PMID: 3159353; PubMed Central PMCID: PMC1250799.

5: Bucknall TE, Cox PJ, Ellis H. Burst abdomen and incisional hernia: a prospective study of 1129 major laparotomies. Br Med J (Clin Res Ed). 1982 Mar 27;284(6320):931-3. PubMed PMID: 6279229; PubMed CentralPMCID: PMC1496540.

6: Hadi HI, Maw A, Sarmah S, Kumar P. Intraperitoneal tension-free repair of small midline ventral abdominal wall hernias with a Ventralex hernia patch: initial experience in 51 patients. Hernia. 2006 Oct;10(5):409-13. Epub 2006 Aug 24. PubMed PMID: 16932846.

7: Hesselink VJ, Luijendijk RW, de Wilt JH, Heide R, Jeekel J. An evaluation of risk factors in incisional hernia recurrence. Surg Gynecol Obstet. 1993 Mar;176(3):228-34. PubMed PMID: 8438193.

8: Höer J, Lawong G, Klinge U, Schumpelick V. Factors influencing the development of incisional hernia. A retrospective study of 2,983 laparotomy patients over a period of 10 years. Chirurg. 2002 May;73(5):474-80. German. PubMed PMID: 12089832.

9: Israelsson LA, Jonsson T. Overweight and healing of midline incisions: the importance of suture technique. Eur J Surg. 1997 Mar;163(3):175-80. PubMed PMID: 9085058.

10: Iversen E, Lykke A, Hensler M, Jorgensen LN. Abdominal wall hernia repair with a composite ePTFE/polypropylene mesh: clinical outcome and quality of life in 152 patients. Hernia. 2010 Dec;14(6):555-60. Epub 2010 Sep 21. PubMed PMID: 20857154.

11: Langer S, Christiansen J. Long-term results after incisional hernia repair. Acta Chir Scand. 1985;151(3):217-9. PubMed PMID: 4013599.

12: Luijendijk RW, Hop WC, van den Tol MP, de Lange DC, Braaksma MM, IJzermans JN, Boelhouwer RU, de Vries BC, Salu MK, Wereldsma JC, Bruijninckx CM, Jeekel J. A comparison of suture repair with mesh repair for incisional hernia. N Engl J Med. 2000 Aug 10;343(6):392-8. PubMed PMID: 10933738.

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