Anatomie
Edith Leisten
Mattner-Klinik Köln

1. Chirurgische Anatomie des Pankreas

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Das aus Läppchen aufgebaute Pankreas hat eine rötlich-graue Farbe, ist 14 – 18 cm lang und wiegt 65 – 80 Gramm. Es liegt in Höhe des 1. und 2. Lendenwirbels und erstreckt sich keilförmig von der Regio epigastrica in die linke Regio hypochondriaca. Entwicklungsgeschichtlich bedingt steht das Organ in enger Nachbarschaftsbeziehung zu den Oberbauchorganen und -gefäßen.

Das Pankreas ist von kapselförmigem Binde- bzw. Fettgewebe eingescheidet und gliedert sich in drei Abschnitte: Caput, Corpus und Cauda. Während sich im hinteren Kopfbereich eine etwas derbere Bindegewebsplatte befindet, ist die Drüse ansonsten dorsal mit dem Bindegewebe überwiegend locker verbunden. Als retroperitoneales Organ ist die Drüse an ihrer Vorderfläche mit Peritoneum überzogen.

Der breiteste Teil der Drüse ist das Caput pancreatis, das sich – rechts der Wirbelsäule gelegen – in die vom Duodenum gebildete Schlinge einfügt. Sowohl die Vorder- als auch die Hinterfläche des Duodenums kann hier in unterschiedlichem Ausmaß von Drüsengewebe überlagert sein. Das Caput umfasst mit seinem kaudalen Anteil (Processus uncinatus) von hinten die V. mesenterica superior, gelegentlich auch die Arterie. Die im Processus uncinatus und im übrigen Pankreaskopfanteil befindliche Rinne wird als Incisura pancreatis bezeichnet.

Der in Höhe des 1. Lendenwirbelkörpers gelegene Pankreasteil stellt mit einer Breite von ca. 2 cm den Übergangsbereich von Caput und Corpus dar und liegt über den Vasa mesenterica superiora. Aus chirurgischer Sicht wird dieser Abschnitt auch als Collum pancreatis bezeichnet.

Das längliche Corpus pancreatis zieht schräg verlaufend über den 1. und 2. Lendenwirbel aufwärts, wölbt sich ventral in die Bursa omentalis vor und zieht bogenförmig zum Milzhilus, wobei der Übergang in die Cauda ohne exakte anatomische Abgrenzung erfolgt. Dorsal des Corpus befinden sich neben der Wirbelsäule die Aorta, die V. cava inferior sowie A. und V. mesenterica superior.

Die Cauda pancreatis bildet die spitz auslaufende Fortsetzung des Drüsenkörpers und reicht bis an das Lig. splenorenale heran oder in dieses hinein.

Das Pankreas kann in verschiedenen Formenvarianten angelegt sein, schräg verlaufend, S-förmig, quer verlaufend und L-förmig. Auch eine Hufeisenform und eine umgekehrte V-Form sind beschrieben worden. Die Übergänge zwischen den Formvarianten sind fließend.

2. Lagebeziehungen zu anderen Organen und Leitungsbahnen

Topographisch hat das Pankreas folgende Beziehungen zu benachbarten Organen sowie retroperitoneal gelegenen Leitungsbahnen:

  • nach ventral die Bursa omentalis und die Hinterfläche des Magens
  • nach rechts besteht eine enge Beziehung zwischen dem Caput und der Duodenalschlinge
  • nach links besteht eine enge Beziehung zum Milzhilus
  • die Pankreas-Hinterwand tangiert in Höhe des Caput die V. portae, die A. und V. mesenterica superior sowie den Ductus choledochus, in Höhe des Corpus die A. und V. splenica, die V. mesenterica inferior, die V. cava inferior sowie die Aorta abdominals, in Höhe der Cauda die linke Niere

3. Pankreasgangsystem

Der etwa 2 mm kräftige Ductus pancreaticus durchzieht das Organ in seiner Längsausdehnung nahe der Hinterfläche und nimmt auf seinem Weg zahlreiche kurzstreckige Drüsengänge auf, die senkrecht in ihn einmünden. In ca. 77 % der Fälle mündet der Ductus gemeinsam mit dem Ductus choledochus auf der Papilla duodeni major im Hinterwandbereich der Pars descendens des Duodenums, in den restlichen Fällen liegen die Mündungen beider Gänge nahe beieinander. Der Ductus pancreaticus accessorius, ein akzessorischer Ausführungsgang, ist häufig nur rudimentär angelegt oder fehlt völlig. Sofern vorhanden mündet er auf der Papilla duodeni minor.

4. Gefäßversorgung

Die arterielle Versorgung des Pankreas erfolgt über die A. pancreaticoduodenalis superior, die aus der A. hepatica communis entspringt, der Pankreaskopf wird zusätzlich über die A. pancreaticoduodenalis inferior versorgt, die aus der A. mesenterica superior kommt. Während die Blutversorgung des Caput relativ konstant ist, weisen Corpus und Cauda eine variable Gefäßversorgung auf: der A. lienalis entspringende, kurzstreckige Arterien sowie Äste der querverlaufenden A. pancreatica transversa.

Der venöse Abfluss aus dem Pankreaskopf erfolgt über die V. mesenterica superior, Corpus und Cauda gehören zum Einzugsgebiet der V. lienalis.

5. Lymphgefäße und -knoten

Die Lymphgefäße des Pankreas verlaufen parallel zu den Blutgefäßen zu allen in der unmittelbaren Nähe des Pankreas befindlichen Lymphknoten. Die peripankreatischen Lymphknoten (1. Station) sind der Drüse eng angelagert, teilweise sogar oberflächlich im Drüsenparenchym vorhanden. Am Oberrand des Organs findet sich eine Lymphknotenkette, die vom Milzhilus bis in das Lig. hepatoduodenale reicht, weitere Lymphknoten befinden sich ventral und dorsal zwischen Pankreaskopf und Duodenum, am Unterrand des Pankreas sowie im Caudabereich. Weitere relevante Lymphknoten befinden sich in der Nähe des Truncus coeliacus, der A. und V. mesenterica superior sowie beidseits der Aorta (2. Station oder Sammellymphknoten).

Perioperatives Management
Herr Prof. Dr. med. Marco Niedergethmann
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH
Herr Prof. Dr. med. Stefan Post
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH

1. Indikationen

  • Behandlung von potentiell resektablen Malignomen des Pankreaskopfes, der Papille und des distalen Choledochus
    Seltene Indikationen: Duodenalkarzinome, benigne oder zystische Tumore, chronische Pankreatitis oder sogenannten „Dilemma“-Fälle (wenn Bildgebung und Klinik nicht sicher zwischen entzündlichem und malignem Pankreaskopftumor differenzieren können).
    Prinzipiell besteht bei Malignomen oder hinreichendem Malignomverdacht die Indikation zur Pankreaskopfresektion immer dann, wenn prä- und intraoperativ zumindest die Aussicht besteht, den Tumor in toto zu resezieren und wenn zugleich der Patient in einem für diesen Eingriff ausreichenden Allgemeinzustand ist.
  • Die Indikation zur Resektion sollte zeitnah vom Chirurgen gestellt werden, insbesondere wenn es sich um einen potentiell resektablen Befund bei ikterischen Patienten handelt. Nur bei Patienten mit manifesten Sekundärkomplikationen des Ikterus (entgleiste plasmatische Gerinnung, Lebersynthesestörung, reduzierte zelluläre Abwehr, eitrige Cholangitis), sollte eine präoperative endoskopische Gallengangsdrainage erwogen werden um Zeit zu gewinnen und eine bessere Ausgangssituation für die Operation zu schaffen. In allen anderen Fällen sollte eine präoperativ angelegte Gallenwegsdrainage, ob TPCD (transpapillär) oder PTCD (perkutan-transhepatisch) aufgrund der erhöhten postoperativen Morbidität vermieden werden.
    Im Falle einer Infiltration großer Venen (Vena mesenterica superior, Vena lienalis oder Vena portae) sollte die Resektion angestrebt werden, wenn nötig mit Gefäßrekonstruktion, da die präoperative Diagnostik meist nicht zwischen entzündlicher Adhäsion und Tumorinfiltration differenzieren kann
    Bei der Indikationsstellung ist die Komorbidität ein weiterer wesentlicher Faktor. Patienten mit schweren kardiovaskulären Begleiterkrankungen tragen ein deutlich erhöhtes Operationsrisiko, jedoch ist ein hohes Alter per se heute keine Kontraindikation mehr gegen die Pankreaskopfresektion

2. Kontraindikationen

  • Pankreaskopfmalignome mit nach gewiesenen:
    Fernmetastasen, Gefäßinfiltration (Ummauerung in der Bildgebung >180°) der A. mesenterica sup., A. hepatica, Truncus coelicus
  • Patienten mit schweren kardiovaskulären Begleiterkrankungen, für die allein schon die Narkose ein Risiko darstellt (z.B. Konstellation NYHA III mit hochgradigen Carotisstenosen)

3. Präoperative Diagnostik

  • Anamnese (Schmerzen, Fettstühle, Ikterus, neu aufgetretener Diabetes, Pankreatitisepisoden)
  • Klinische Untersuchung (Ikterus, Courvoisier Zeichen, palpabler Tumor, palpable Lymphome, Voroperationen)
  • Labor (klinische Chemie, Blutbild, Cholestasewerte, Lebersynthesewerte, Gerinnung, Tumormarker CA 19.9, CEA)
  • RöThorax (Lungen RH)
  • CT oder MRT mit Fragestellung: potentiell resektabler Lokalbefund, arterielle und venöse Gefäßinfiltration (A. hepatica, A. mesenterica, Truncus coeliacus, Pfortader), Ascites, Fernmetastasierung (Leber), Gefäßversorgung der Leber/Oberbauch (z.B. Anomalien wie atyp. rechte Leberarterie)

4. Spezielle Vorbereitung

  • Ikterische Patienten: parenterale Vitamin K (Konakion) Gabe für 2-3 Tage präoperativ unabhängig vom Quickwert. Nur bei Patienten mit manifesten Sekundärkomplikationen des Ikterus (entgleiste plasmatische Gerinnung, Lebersynthesestörung, reduzierte zelluläre Abwehr) präoperative endoskopische Gallengangsdrainage
  • Magenausgangsstenose: präoperative Magensondeeinlage für 3 Tage zur “Magentonisierung”

5. Aufklärung

Folgenschwerer Eingriff, deshalb auf Aufklärungsfrist besonders achten (>24h; besser schon bei Initialgespräch aufklären).
Immer mit OP-Zeichnung zur Verdeutlichung der postoperativen Anatomie aufklären !
Folgezustände des Eingriffs: Exokrine/endokrine Insuffizienz, ggf. damit verbundene Nahrungsumstellung, galliger Reflux (Whipple), peptische Ulcera jejuni, Cholangitisepisoden bei biliodigestiver Anastomose, Pankreatitis,
Blutungen, Fremdblut-Transfusionen in ca. 50% notwendig
Anastomoseninsuffizienzen, Revisionseingriffe, langsfristige intensivmed. Behandlung bei Komplikationen
“übliche Komplikationen”: Thrombose, Lungenembolie, Pneumonie, Verletzung benachbarter Strukturen (Darm, Gefäße, Nerven, andere Organe), Erweiterung der OP nach Ermessen des Operateurs

6. Anästhesie

  • Intubationsnarkose
  • Postoperative Analgesie mit PDK
  • Restriktive intraoperative Volumengabe (3 Anastomosen, lange OP Zeit mit 4-6 h)
  • Wenn EK-Gabe notwendig, möglichst erst nach der Resektionsphase

7. Lagerung

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  • Rückenlagerung
  • linker Arm ausgelagert
  • rechter Arm angelagert

8. OP-Setup

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Operateur steht auf der rechten Seite, 1. Assistent auf der linken Seite, während der Operation kann es zum Wechsel der Seiten kommen. Die instrumentierende OP-Pflegekraft steht fußwärts.

9. Spezielle Instrumentarien und Haltesysteme

  • Haltesystem für den Rippenbogen (z.B. nach Stuhler)
  • Clipapplikator
  • bipolare Schere hilfreich
  • Klammerschneidegeräte

10. Postoperative Behandlung

postoperative Analgesie: Schmerztherapie in den ersten 48-72 h mittels Periduralkatheter (Opioid und Lokalanästhetikum) und peripher wirksamen Analgetika (z.B. Ibuprofen, Paracetamol, Metamizol p.o.). Danach Umstellung auf orale Analgesie nach etabliertem Krankenhausschema (z.B. Targin 10 1-0-1 + Ibuprofen 600 1-1-1).
Folgen Sie hier dem link zu PROSPECT (Procedures Specific Postoperative Pain Management)
Folgen Sie hier dem link zu den aktuellen Leitlinien: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/041-001.htm
medizinische Nachbehandlung: Kontrovers diskutiert wird immer noch der prophylaktische, perioperative Einsatz von Somatostatin oder seiner Analoga zur Verhinderung von Leckagen der Pankreasanastomose. Wenn, dann bei “weichem” Pankreas: intraoperativ frühzeitig beginnen (Einmalgabe s.c. 100 µg) und für fünf Tage postoperativ (s.c. 3×100 µg).
Protonenpumpeninhibitor (z.B. Pantoprazol 1 × 40 mg/die, bei Pankreato-Gastrostomie wegen der Arrosionsblutungsgefahr 2×40 mg). Patienten mit Pankreato-Gastrostomie sollten zeitlebens ein PPI (z.B. Pantoprazol 40mg 0-0-1) einnehmen
Die Magensonde wird regulär am 1. postoperativen Tag entfernt, außer bei der Pankreato-Gastrostomie (Indikator einer Arrosionsblutung) frühestens am 2. Tag (bei unauffälligem Sekret).
Zentrale Zugänge und Blasenkatheter sollten bei komplikationslosem Verlauf bis zum 3. postoperativem Tag entfernt sein.
Thromboseprophylaxe: bei fehlenden Kontraindikationen sollte aufgrund des hohen Thrombembolierisikos (großer operativer abdomineller Eingriff bei Malignom) neben physikalischen Maßnahmen niedermolekulares Heparin in prophylaktischer ggf. in gewichts – oder dispositionsrisikoadaptierter Dosierung bis zum Erreichen der vollen Mobilisation verabreicht werden. Diskutiert wird die Fortsetzung der medikamentösen Thromboembolieprophylaxe für z.B. 6 Wochen.
Zu beachten: Nierenfunktion, HIT II (Anamnese, Thrombozytenkontrolle)
Folgen Sie hier dem link zu den aktuellen Leitlinien: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/003-001.htm
Mobilisation: frühe Mobilisation am OP Tag abends.
Krankengymnastik: Pneumonieprophylaxe (Krankengymnastik, Atemübungen)
Kostaufbau: Kostaufbau wird ab dem 1. postoperativen Tag mit Tee, später mit Joghurt, Breikost und, bei guter Verträglichkeit, ab dem 4. postoperativen Tag mit Vollkost durchgeführt.
Stuhlregulierung: bei Darmträgheit unterstützende Maßnahmen.
Arbeitsunfähigkeit: individuell verschieden

Durchführung
Herr Prof. Dr. med. Marco Niedergethmann
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH
Herr Prof. Dr. med. Stefan Post
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH
Muster-OP-Bericht
Pankreatikoduodenektomie, pyloruserhaltend, partiell (OP nach Traverso)
Muster OP-Bericht

1. Laparotomie

http://vimeo.com/83333767

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Der Zugang erfolgt als bogenförmige kranial konvexe quere Oberbauchlaparotomie. Anschließend erfolgt die Explorationsphase mit Inspektion und Palpation des gesamten Abdomens zum Ausschluss von Fernmetastasen und Zeichen der lokalen Irresektabilität.

Alternativ kann bei sehr spitzem Rippenbogenwinkel eine mediane Laparotomie durchgeführt werden

2. Cholezystektomie

http://vimeo.com/83333775

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Nach Anklemmen der Gallenblase erfolgt die subseröse Präparation der Gallenblase aus dem Leberbett Durchtrennen von Ductus cyscticus und A. cystica unter entsprechenden Ligaturen und Abgabe des Präparats zur Histologie.

Tipp: Zur Vermeidung einer aszendierende Cholangitis nach biliodigestiver Anastomose ist die Cholezystektomie aus funktionellen Gründen im Rahmen der Pankreaskopfresektion obligat.

3. Eröffnung der Bursa omentalis

http://vimeo.com/83333823

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Nach Inspektion und Palpation des Pankreas von ventral erfolgt die Eröffnung der Bursa omentalis durch Ablösen des omentum majus vom colon transversum.

4. Kocher’sche Mobilisation

http://vimeo.com/83333865

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Nach Mobilisation der rechten Kolonflexur erfolgt die Kocher’sche Mobilisation des Duodenums.

5. Palpation des Pankreaskopfes

http://vimeo.com/83333936

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Es erfolgt die Palpation des mobilisierten Pankreaskopfes zum Ausschluss einer retroperitonealen Infiltration sowie die Palpation der Lymphabflußwege und der großen Gefäße. Anschließend folgt der Beginn der Präparation des Lig. hepatoduodenale.

6. Ligatur A. gastrica dextra

http://vimeo.com/83333999

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Die Durchtrennung der A. gastrica dextra unter Ligaturen ist der Beginn der Mobilisation des Pylorus bzw. Antrums.

7. Durchtrennung des postpylorischen Duodenums

http://vimeo.com/83334016

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Mit dem ILA-52 erfolgt die Durchtrennung des postpylorischen Duodenums.

Tipp: Durch das frühzeitige Absetzen des Duodenums wird die Lymphadenektomie bei der pyloruserhaltenden partiellen Pankreatikoduodenektomie erheblich erleichtert

8. Lymphadenektomie I

http://vimeo.com/83334121

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Im Lig. hepatoduodenale entlang der A. hepatica propria nach zentral erfolgt die Lymphadenektomie.

Tipp: Rechts lateral dorsal im Lig. hepatoduodenale verläuft die A. hepatica dextra; hier ist auf einen möglichen atypischen Verlauf der gesondert aus der A. mesenterica superior hervorgehenden A. hepatica dextra zu achten!

9. Durchtrennung des Ductus choledochus

http://vimeo.com/83334197

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Der Ductus choleduchus wird durchtrennnt und ein vormals eingesetzter Stent entfernt.

Tipp: Aus Durchblutungsgründen sollte der ductus choledochus hilusnah, proximal der Ductus cysticus Einmündung abgesetzt werden.

10. Durchtrennung A. gastroduodenalis

http://vimeo.com/83334295

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Unter Ligatur wird die A. gastroduodenalis durchtrennt.

11. Lymphadenektomie II

http://vimeo.com/83334378

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Die Lymphadenektomie vom Lig. hepatoduodenale wird bis zum Truncus coeliacus fortgesetzt.

12. Durchtrennung Pankreas

http://vimeo.com/83334521

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Das Pancreas wird auf Höhe der Resektionsgrenze mit einer Overholt-Klemme untertunnelt und ein Zügel durchgezogen. Dieser schützt die V. mesenterica superior bei der sich nun anschließenden Durchtrennung des Pankreas.

13. Ablösen des Pankreaskopfes

http://vimeo.com/83334493

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Unter Durchtrennung der zuführenden Venenäste erfolgt die vollständige Ablösung des Pankreaskopfes.

14. Durchtrennung Jejunum

http://vimeo.com/83336072

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Anschließend wird die flexura duodenojejunales mobilisiert und es erfolgt der retrokolische Durchzug des oralen Jejunalstumpfes in den rechten Oberbauch.

15. Durchtrennung der retropankreatische Platte und Resektion

http://vimeo.com/83334634

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Situs nach abgeschlossener Resektionsphase und Abgabe des Resektats, sowie Duchführen eines Schnellschnitts von der Pankreasresektionsfläche zum Nachweis der Resektion im Gesunden.

Tipp: Es ist auf die Schonung der A. und V. mesenterica superior zu achten.

16. Naht Mesoschlitz

http://vimeo.com/83334723

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Der Mesoschlitz, der dem Durchzug des Jejunalstumpfes gedient hat, wird wieder verschlossen.

17. Übernähung Jejunalstumpf

http://vimeo.com/83334784

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Die Klammernahtreihe des transmesokolisch hochgezogenen aboralen Jejunalstumpfes wird nun übernäht.

18. Anlage des Pankreatiko-Jejunostomie I

http://vimeo.com/83334993

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Die Pankreatiko-Jejunostomie wird End-zu-Seit angelegt. Hierfür erfolgen zunächst durchgreifende Hinterwandnähte.

19. Anlage des Pankreatiko-Jejunostomie II – duct-to-mucosa

http://vimeo.com/83335198

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Nach punktförmiger Eröffnung des Jejunums korrespondierend zum Ductus-Pankreaticus erfolgt die Gang-zu-Mukosa Naht. Abschließend fortlaufende durchgreifende Vorderwandnaht.

20. Biliodigestive Anastomose

http://vimeo.com/83335383

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Oral der Pankreatiko-Jejunostomie (ca. 5-8 cm) Anlage der spannungsfreien Choledocho-/ Hepatiko-Jejunostomie als End-zu-Seit Anastomose. Diese, nach antimesenterialem Eröffnen des Duodenums, mit monofilem resorbierbarem Material angelegt (Einzelknopfnähte).

21. Duodeno-Jejunostomie

http://vimeo.com/83335552

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Die Rekonstruktionsphase schließt die fortlaufend genähte, ca. 40 cm distal der Choledocho-/Hepatiko-Jejunostomie gelegene, End-zu-Seit Duodenojejunostomie zur Wiederherstellung der Nahrungspassage ab.

Tipp: Die Duodeno-Jejunostomie wird antekolisch gelegt und fortlaufend genäht (resorbierbar, monofil, 4-0). Antekolisch ist hierbei die Position des Magens während die Jejunalschlinge zur Pankreas- und Gallengangsanastomose retrokolisch durch das Mesokolon transversum gelegt wird.

22. Bauchdeckenverschluss

http://vimeo.com/83335864

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Nach Reposition der mobilisierten Organe, Spülung und Prüfung auf Bluttrockenheit erfolgt die Anlage von Drainagen subhepatisch und dorsal der Jejunumschlinge zur Mesenterialwurzel, sowie der schichtgerechte Bauchdeckenverschluss.

Komplikationen
Herr Prof. Dr. med. Marco Niedergethmann
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH
Herr Prof. Dr. med. Stefan Post
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH

1. Intraoperative Komplikationen

  • Blutungen
    z.B. Pfortaderverletzung
  • Pankreatitis
    sehr fragiles, weiches Pankreas oder Assistenzfehler → Druckschaden Haken
  • Gefäßanatomie
    atypische rechte A. hepatika, unerkanntes Dunbar Syndrom! (Kompressionssyndrom des Truncus durch das Lig. arcuatum) → A. gastroduodenalis, muss abgesetzt werden → Spaltung des Lig. arcuatum
    CAVE: Elektrokoagulation am ductus hepaticus communis (ischämischer Schaden→ spätere Insuffizienz)

2. Postoperative Komplikationen

  • Anastomoseninsuffizienz der Pankreatiko-Jejunostomie (4-20 %)
  • Anastomoseninsuffizienz der Hepatiko-Jejunostomie (2-6 %)
  • (Arrosions-) Blutung (2-10 %)
  • Atonie und Magenentleerungsstörung (8-15 %)
  • Pankreatitis und intraabdomineller Abszeß (2-6 %)

Die Anastomoseninsuffizienzen stellen das Hauptproblem dar und werden bei uncharakteristischen Symptomen meist verzögert erkannt. Bei Verdacht auf eine Insuffizienz der Pankreatiko-Jejunostomie (Pankreassekret über Drainagen, unklares Fieber, CRP-Anstieg, Leukozytose, begleitende Pankreatitis und Atonie) sollte umgehend ein CT des Abdomens mit i.v.-Kontrastmittel durchgeführt werden. Bei lokaler Begrenzung, kleiner Leckage und mildem klinischem Verlauf kann ein konservativer Therapieversuch durchgeführt werden. Ein begleitender Abszess kann interventionell drainiert werden, bei ausgedehnterem Befund ist die Relaparotomie indiziert. Bei gut perfundiertem Restpankreas und günstigen lokalen Verhältnissen kann eine Übernähung der Insuffizienz durchgeführt werden, andernfalls sollte die Anastomose neu angelegt werden. Eine Restpankreatektomie kommt zur Anwendung bei fortgeschrittener entzündlicher Umgebungsreaktion, bei schwerer Restpankreatitis mit Minderperfusion und/oder lokaler Nekrosebildung.
Auch bei Insuffizienz der Hepatiko-Jejunostomie ist eine frühzeitige Revision erforderlich, kleine Insuffizienzen können übernäht werden, in der Regel muss die Anastomose jedoch neu angelegt werden. Die Restpankreatitis, Arrosionsblutungen, Atonie und Magenentleerungsstörungen sind häufig begleitende Phänomene der Anastomoseninsuffizienz. Besonders die Arrosionsblutung, bei der meist infolge einer Insuffizienz die Wand der viszeralen Gefäße vom Pankreassaft angedaut wird, stellt ein lebensbedrohliches und hochakutes Krankheitsbild dar, das der umgehenden Relaparotomie (in seltenen Fällen der radiologischen Intervention) bedarf

Evidenz
Herr Prof. Dr. med. Marco Niedergethmann
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH
Herr Prof. Dr. med. Stefan Post
Universitätsklinikum Mannheim gGmbH

1. Literatur zu diesem Thema

  • PPPD vs. Kausch-Whipple:
    Niedergethmann M, Shang E, Farag Soliman M, Saar J, Berisha S, Willeke F, Post S. Early and enduring nutritional and functional results of pylorus preservation vs classic Whipple procedure for pancreatic cancer. Langenbecks Arch Surg. 2006;391(3):195-202
  • Gefäßresektion (Pfortader):
    Hartel M, Niedergethmann M, Farag-Soliman M, Sturm JW, Trede M and Post S. Can extended resections of the pancreatic head for carcinoma be performed as a routine procedure? Eur J Surg 2002; 168 : 707-712
  • Octreotidgabe:
    Li-Ling J, Irving M. Somatostatin and octreotide in the prevention of postoperative pancreatic complications and the treatment of enterocutaneous pancreatic fistulas: a systematic review of randomized controlled trials. Br J Surg 2001;88:190
  • Pankreato-jejunostomie vs. -gastrostomie:
    Wente MN, Shrikhande SV, Müller MW, Diener MK, Seiler CM, Friess H, Büchler MW.Pancreaticojejunostomy versus pancreaticogastrostomy: systematic review and meta-analysis. Am J Surg. 2007 Feb;193(2):171-83
  • Management postoperativer Komplikationen:
    Niedergethmann M, Farag-Soliman M, Post S. Postoperative complications of pancreatic cancer surgery. Minerva Chirurgica 2004; 59: 175-183
  • Langzeit-Outcome bei Pankreaskarzinom:
    Richter A, Niedergethmann M, Hartel M, Sturm JW, Lorenz D, Trede M and Post S. Longterm results of partial pancreaticoduodenectomy for ductal adenocarcinoma of the pancreatic head – a 25-year experience. World J Surg (2003) 27:324-329
  • Adjuvante Therapie:
    Oettle H, Post S, Neuhaus P, Gellert K, Langrehr J, Ridwelski K, Schramm H, Fahlke J, Zuelke C, Burkart C, Gutberlet K, Kettner E, Schmalenberg H, Weigang-Koehler K, Bechstein WO, Niedergethmann M, Schmidt-Wolf I, Roll L, Doerken B, Riess H. Adjuvant chemotherapy with gemcitabine vs observation in patients undergoing curative-intent resection of pancreatic cancer: a randomized controlled trial. JAMA (2007) 297:267-277

2. Aktuell laufende Studien zu diesem Thema

Folgende Studien laufen derzeit zur adjuvanten Therapie:

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