Leistenhernienreparation, transabdominelle präperitoneale Hernioplastik (TAPP)

 
Komplikationen

1. Intraoperative Komplikationen

  • Irritation, Einengung oder Verletzung inguinaler Nerven mit postoperativ persistierenden Schmerzen (Ileoinguinalis-Syndrom, Ramus-genitalis-Syndrom)
    Bei der Präparation kann es zu einer Verletzung oder Durchtrennung der Nerven kommen. Insbesondere gefährdet sind hierbei: N. cutaneus femoris lateralis, N. ilioinguinalis, N. iliohypogastricus, R. genitalis und der R. femoralis des N. genitofemoralis.
    Durch unvorsichtiges Setzen der Klammern können Nerven verletzt oder irritiert oder sogar mitgefasst werden.
    Bei akzidenteller Durchtrennung der Nerven, sollten diese reseziert und postoperativ mit Lokalanästhetika infiltriert werden, da dies das Risiko von postoperativen Missempfindungen mindert.
    Sind die Nerven nur touchiert oder irritiert, kann es postoperativ zu Missempfindungen kommen, auch hier kann die Injektion von Lokalanästhetika hilfreich sein.
  • Verletzung des Ductus deferens
    Kommt es zu einer Verletzung des Ductus deferens, so sind für das weitere Vorgehen folgende Aspekte entscheidend: Wurde der D. deferens komplett oder nur partiell durchtrennt? Wie alt ist der Patient? Besteht ein Zeugungswunsch des Patienten?
    Bei sexuell inaktiven älteren Patienten, kann der Ductus deferens ggf. durchtrennt werden, sonst mikrochirurgische Naht
    In jedem Fall muss der Patient postoperativ darüber aufgeklärt werden, was passiert ist und welche Folgen dies für ihn hat.
  • Blasenverletzung
    Kommt es zu einer Verletzung der Blase, muss die verletzte Stelle übernäht werden. Falls laparoskopisch nicht möglich, muss konvertiert werden auf offenes Vorgehen. Postoperativ wird die Blase für 7-10 Tage durch einen suprapubischen Fistelkatheter (SPFK) entlastet. Um das Risiko zu minimieren, ist es notwendig, die Peritonealinzision nicht über die Plica umbilicalis medialis hinaus zu führen.
  • Darmverletzung
    Kommt es intraoperativ zu einer akzidentellen iatrogenen Darmläsion, sollte unverzüglich eine laparoskopische Übernähung erfolgen. Bei fehlender Übersicht oder mangelnder Sicherheit der Darmnaht Konversion und offene Darmübernähung bzw. Darmresektion mit Anastomose. Bei begrenzter Kontamination der Bauchhöhle ist nach ausgiebiger Lavage dennoch eine Netzimplantation möglich.
  • Verletzung der A. femoralis und arterielle Blutung
    Eine arterielle Blutung aus der A. femoralis führt in kurzer Zeit zu einem massiven Blutverlust mit klinischem Volumenmangelschock. Ist die Blutung laparoskopisch nicht kontrollierbar, muss unverzüglich konvertiert werden, um unter direkter Aufsicht die Gefäßübernähung durchzuführen

2. Postoperative Komplikationen

  • Hämatom
    Definition: Einblutung oder Nachblutung im Wundbereich
    Klinik: druckdolente und verfärbte Schwellung
    Diagnostik: Sonographie und Ausschluss systemischer Ursachen (z.B. Gerinnungsstörungen).
    Therapie:
    Kleinere Hämatome sind zu beobachten und bedürfen meist keiner weiteren Therapie.
    Größere Hämatome sollten punktiert oder ausgeräumt werden.
    Starke Nachblutungen müssen operativ saniert werden.
  • Serom
    Definition: im Wundbereich befindliche Hohlräume, die mit Lymphe und Wundsekret gefüllt sind.
    Klinik: Schwellung, die nicht druckdolent oder verfärbt ist.
    Diagnostik: Sonographie
    Therapie:
    Kleine postoperative Serome werden vom Gewebe resorbiert und bedürfen lediglich der Kontrolle.
    Größere sollten abpunktiert und komprimiert werden.
    In jedem Fall bedürfen sie der Kontrolle, da sich Serome infizieren können.
    Bei Rezidivseromen sollte eine Drainage eingelegt werden.
  • Infektion und Wundheilungsstörung
    Definition: Infektion einer Wunde durch Mikroorganismen
    Klinik: die 5 Kardinalsymptome der Entzündung: Rubor, Calor, Dolor, Tumor, Functio laesa
    Therapie: Öffnen und Spreizen der Wunde, ausgiebige Reinigung und anschließend offene Wundbehandlung, systemische Gabe von Antibiotika
  • Verletzung der V. femoralis und nachfolgender Thrombose
    Bei einer iatrogenen Venenschädigung und nachfolgender Thrombose der V. femoralis im OP-Gebiet handelt es sich um eine Thrombose der Beckenetage und ist somit wie folgt zu behandeln:
    Diagnostik: Duplex- und Dopplersonographie oder Phlebographie
    Therapie der tiefen Beinvenenthrombose: Kompression, Mobilisierung, Vollheparinisierung (cave! Nachblutungsgefahr!)
    Für weiterführende Informationen folgen Sie bitte hier dem Link zu den aktuellen Leitlinien:
    www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/037-002.htm
  • Lungenembolie
    Diagnostik: Venendoppler und -duplex, Phlebographie, CT-Thorax, D-Dimere (problematisch, da postoperativ häufig unspezifisch erhöht)
    Komplikationen: meist asymptomatische, kleine Lungenembolien, bereits bei Diagnosestellung nur szintigraphisch nachweisbar, Gefahr der fulminanten Lungenembolie!
    Für weiterführende Informationen folgen Sie bitte hier dem Link zu den aktuellen Leitlinien:
    www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/065-002.htm
  • Einengung oder Durchtrennung der Vasa spermatica, postoperative Hodenschwellung
    Bei postoperativer Hodenschwellung wird der Hoden minder perfundiert. In der Folge kann es zum Verlust des Hodens kommen.
    Es muss daher offen revidiert werden, um den venösen Abfluss zu verbessern.
  • Hodenatrophie
    Definition: Irreversible Schädigung des Epithels der Hodenkanälchen mit nachfolgender Aufhebung der Spermatogenese.
    Klinik: Zunächst Schwellung und Erwärmung, später Schrumpfung und Dysästhesie.
    Diagnostik: Sonographie, urologisches Konsil.
    Therapie: Es ist keine sinnvolle Therapie bekannt.
  • Skrotalemphysem
    Durch Gasinsufflation entstandene Emphyseme des Skrotums lassen sich in der Regel durch Druck von außen exprimieren. Das verbleibende CO2 wird rasch resorbiert.
  • Bauch- und Schulterschmerzen durch das Kapnoperitoneum
  • Übelkeit, Erbrechen durch intraabdominell erhöhten Druck
    Bei ausgedehnten Adhäsiolysen postoperative Darmstimulation mit Prostigmin empfohlen. Bei klinischem Subileuszeichen Intensivierung der konservativen Darmmobilisation.
  • Unbemerkte Darmläsion
    Klinik: Patient erholt sich nicht von der Operation, Bauchschmerzen, Übelkeit, Abwehrspannung, Peritonitiszeichen
    Therapie: Reoperation mit Detektion der Darmläsion und Übernähung, ggf. Resektion und abdomineller Lavage sowie bei bestehender Peritonitis antibiotische Behandlung für mindestens 1 Woche. Medikamentös ggf. zusätzlich Vomex, MCP, Antiphlogistika
  • Postoperative Darmparese
    Therapie: Einsatz prokinetischer Substanzen wie Metoclopramid, Prostigmin
  • Manifester Ileus
    Klinik: Abwehrspannung, druckschmerzhaftes, geblähtes Abdomen, radiologisch Spiegel und Luftsicheln, laborchemisch Laktaterhöhung, bei zusätzlicher Ischämie ggf. Zeichen der Durchwanderungsperitonitis
    Therapie: Reoperation, Detektion der Ursache, Behebung der Ursache
  • Rezidiv
    Definition: neu aufgetretene Leistenhernie nach vorangegangener, operativ versorgter Leistenhernie.
    Klinik und Diagnostik: entsprechen der Leistenhernie.
    Therapie: Operative Versorgung mit Netzeinlage am ehesten in offener Technik

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