Anatomie
Prof. Dr. med. Gebhard Reiss
Universität Witten/Herdecke

1. Chirurgisch relevante Anatomie

  • Das Jejunum ist einer der drei Abschnitte des Dünndarms. Er schließt sich an das Duodenum an und geht in das Ileum über.
    Seinen deutschen Namen Leerdarm verdankt er der Tatsache, dass er nach dem Tod zumeist leer ist.*
    Das Jejunum ist in zahlreiche Schlingen gelegt und mit dem Mesenterium an der rückenseitigen Bauchwand befestigt. Der entsprechende Abschnitt des Mesenteriums wird als Mesojejunum bezeichnet; in Verbindung mit dem auf das Jejunum folgende Ileum bezeichnet man die Aufhängestruktur Radix mesenterii, welche im Bereich der Zwölffingerdarm-Leerdarm-Krümmung (Flexura duodenojejunalis) beginnt und an der Ileozäkalklappe endet.
  • Die Jejunumschlingen sind sehr beweglich und damit in ihrer Lage variabel. Während der Beginn des Jejunums durch die Flexura duodenojejunalis in Höhe des zweiten Lendenwirbelkörpers eindeutig definiert ist, kann die Grenze zwischen Jejunum und Ileum anatomisch nicht scharf begrenzt werden.
    Wie alle Hohlorgane ist der Leerdarm mit einer Schleimhaut (Tunica mucosa) ausgekleidet. Nach außen hin schließt sich eine Doppelschicht aus glatter Muskulatur an (Tunica muscularis), den äußeren Organabschluss bildet der Serosaüberzug des Bauchfells.
  • Der obere Teil der Radix mesenterii führt Gefäße der Arteria mesenterica superior zur Versorgung von Jejunum, Ileum, Blinddarm, Colon ascendens und den ersten zwei Dritteln des Colon transversum.
  • Die Blutversorgung des Jejunums erfolgt durch die Arteriae jejunales aus der Arteria mesenterica superior. Die Venen des Jejunums münden in die Vena mesenterica superior, die rechts neben der Arteria mesenterica superior verläuft, um dann hinter dem Kopf der Bauchspeicheldrüse zur Pfortader zu ziehen.
  • Die nervale Steuerung des Jejunums wird vorwiegend über das enterische Nervensystem realisiert. Die Regulation der Peristaltik erfolgt durch den Plexus myentericus ( Auerbach-Plexus ), die Innervation der Schleimhaut durch den Plexus submucosus ( Meissner-Plexus ). Darüber hinaus wird das Jejunum von Sympathikus und Parasympathikus (speziell Nervus vagus) reguliert.

von lat. ieiunus: nüchtern, hungrig, mager *

Perioperatives Management
Frau Prof. Dr. med. Christiane Bruns
Herr Prof. Dr. med. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch
Klinikum Großhadern

1. Indikation

Nach jeder Form der Ösophagusersatzoperation, sowie auch optional bei Gastrektomie oder hiatal erweiterter Gastrektomie, empfiehlt es sich eine jejunale Ernährungssonde einzulegen. Damit können etwaige Nahtinsuffizienzen i.B. der Speiseröhre postoperativ überbrückt werden. Bei protrahierter Rekonvalenzenz steht eine zusätzliche enterale Ernährungmöglichkeit zur Verfügung.

2. Aufnahme und Beendigung der Ernährung

  • Die Katheterjejunostomie kann ab dem 2. postoperativen Tag mit Tee 30ml/h befahren werden, ab dem 3. postoperativen Tag zur Hälfte aus Tee, zur Hälfte aus enteraler Ernährungslösung bestehen und in der Menge gesteigert werden.
  • Nach Beendingung der enteralen Zusatzernährung kann der Jejunalkatheter perkutan gezogen werden. Mit einer Dünndarmfistel ist nicht zu rechnen.

3. Aufklärung

  • Katheterdislokation mit intraperitonealer Infusion und Peritonitis
  • Ileus
  • Dünndarmfistel
  • Blutung
  • Peristomale Wundinfektion
  • Katheter-Leckage/-Bruch
  • Katheterobstruktion
Durchführung
Frau Prof. Dr. med. Christiane Bruns
Herr Prof. Dr. med. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch
Klinikum Großhadern

1. Penetration der Bauchdecke

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Punktion der Bauchdecke mit der Splitkanüle rechts lateral und Einführen des Katheters in die Bauchhöhle.

2. Punktion des Jejunums

103-2

Aufsuchen der zweiten Jejunalschlinge. Hier wird mit der zweiten Splitkanüle zunächst die Serosa durchstochen, die Kanüle extramukös vorgeschoben bis sie nach einer Distanz von 6-8 cm die Mucosa durchdringt.
Der Katheter kann jetzt ins Lumen des Jejunums eingebracht und die Splitkanüle entfernt werden.

3. Fixation des Katheters am Darm

103-3

Der Katheter wird ca. 25 cm ins Darmlumen vorgeschoben, anschließend die Durchtrittsstelle des Katheters am Darm mit einer Tabaksbeutelnaht verschlossen.

4. Witzelnähte

103-4

Über die Tabaksbeutelnaht werden einige seroseröse Einzelknopfnähte gelegt.

5. Deckung der Katheterdurchtrittsstelle

103-5

Fixation der Katheterdurchtrittsstelle am parietalem Peritoneum der lateralen Bauchwand. Um das zu erreichen werden zwei Tabaksbeutelnähte fortlaufend jeweils um die Durchtrittsstelle am viszeralen sowie am parietalen Peritoneum gelegt. Sobald man diese Naht zuzieht, ist der Katheter komplett gedeckt, und es kommt so zu einer Verklebung zwischen viszeralem und parietalem Peritoneum. Somit besteht einer optimaler Schutz vor sekundärer Dislokation des Katheters in die freie Bauchhöhle.

6. Fixation des Katheters an der Haut

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Zum Schluss Anbringen der äußeren Andruckplatte und Annähen derselben an die Haut.

Komplikationen
Frau Prof. Dr. med. Christiane Bruns
Herr Prof. Dr. med. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch
Klinikum Großhadern

1. Komplikationen und Maßnahmen zur Verhinderung

Katheterdislokation mit intraperitonealer Infusion und Ausbildung einer diffusen Peritonitis.

  • Sorgfältige Nähte im Bereich der Katheterdurchtrittsstellen um eine Verklebung zwischen viszeralem und parietalem Peritoneum sicher zu stellen.
  • Postoperative röntgenologische Katheterkontrolle um seine exakte Postition zu kontrollieren.

Katheterverschluss

  • Alle Medikamente sollten in Wasser aufgelöst oder in flüssiger Zubereitung verabreicht werden. Die Spülung des Katheters mit Wasser nach Gabe von Medikamenten oder Nährlösungen ist außerordentlich wichtig.

Ileus

  • Bei der Fixation des Darms an die laterale Bauchwand ist darauf zu achten, dass dieser nicht abgeknickt wird. Auch sollten keine größeren Lücken mit Gefahr einer inneren Hernie gebildet werden.

Dünndarmfistel

Evidenz

keine

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