Was Chirurgen im Ruhestand rückblickend anders gemacht hätten

Im April 2018 wurden 5282 im Ruhestand befindliche US-amerikanische Chirurgen, die weiterhin Mitglieder des American College of Surgeons waren gebeten, an einer Befragung teilzunehmen. Von den knapp 2300 Teilnehmern, die den Fragebogen beantwortet haben und sich durchschnittlich 15 Jahre in Rente befanden, waren 99,2 % männlichen Geschlechts. Rund 60 % der Teilnehmer waren in der Allgemeinchirurgie tätig, 18 % in der Gefäßchirurgie, 14 % in der Thoraxchirurgie und 7 % in der kolorektalen Chirurgie. 

 

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Die Ergebnisse:

mehr Zeit für Familie und gesündere Work-Life-Balance

23,9 %

stressfreieres Arbeitsumfeld gewählt

19,2 %

anderes chirurgisches Fachgebiet gewählt

12,7 %

einen nicht-medizinischen Beruf gewählt

6 %

einen späteren, schrittweisen Eintritt in den Ruhestand gewählt

4,6 %

mehr Zeit für Lehre und Mentoring

4,2 %

an einem anderen geographischen Ort praktiziert

3 %

neue chirurgische Technologien früher eingesetzt

2,8 %

eine bessere Familienplanung gemacht

2,4 %

mehr ehrenamtliche Arbeit geleistet

2,3 %

.

Weitere Ratschläge an das frühere Ich waren:

  • Auswahl besserer Praxispartner
  • Mehr Risiken eingehen
  • Mehr Zeit mit Patienten verbringen
  • Früheres Sparen für den Ruhestand
  • Öfter um Hilfe bitten
  • Mehr auf institutionelle Politik achten

Als mögliche Erklärungen, die eine Umsetzung verhindert haben, führen die Autoren der Studie die Anforderungen am Arbeitsplatz, berufliche Vorschriften und kulturelle Normen an, die häufig eine konstruktive Debatte über die Work-Live-Balance nicht zugelassen haben. Umso mehr bergen die Erfahrungen der Kollegen im Ruhestand großes Potenzial für die Beratung jüngerer Kollegen.

Quelle:

Stolarski, Allan et al: Retired Surgeons’ Reflections on Their Careers. JAMA Surgery, 2020;155(4):359-361. doi:10.1001/jamasurg.2019.5476