Evidenz - Implantation eines getunnelten, doppellumigen Vorhofkatheters V. jugularis interna rechts zur Hämodialyse

  1. Zusammenfassung der Literatur

    Zentralvenöse Katheter als Zugang für die Hämodialyse

     Akutdialysen z. B. im Rahmen eines Mul­tiorganversagens bedürfen einer unkom­plizierten und raschen Erstellung eines großlumigen venösen Zugangs. In diesem Bereich sind nichtge­tunnelte Akutkatheter der Dialysezu­gang der 1. Wahl, welche vornehm­lich in der V. jugularis interna rechts oder auch links platziert werden. Bei immobilen Pa­tienten kommt auch der Zugang über die V. fe­moralis in Betracht. Die Vv. subcla­viae sind bei allen potenziellen Dauerdia­lysepatienten als Zugangsweg unbedingt zu vermeiden, weil sich durch groß­lumige Katheter zentralvenöse Stenosen ausbilden können, die die weitere Ver­sorgung der Patienten mit AV-Fisteln er­schweren oder unmöglich machen [1-4].

    Beim Legen der großlumigen Kathe­ter sollte in jedem Fall eine Ultraschall­untersuchung der großen Venen unmit­telbar vorangehen [5, 6, 7]. Bei schwie­rigen Verhältnissen kann man auch unter Real-time-Ultraschallbedingungen die Vene punktieren. Eine postinterventio­nelle Röntgenkontrolle ist obligat.

     Die Infektionsraten nichtgetun­nelter Dialysekatheter betragen ca. 6 bis 10 behandlungsbedürftige Bakteriä­mien pro 1000 Behandlungstage. Die In­fektionsrate steigt bei einer Liegedauer von mehr als 2 bis 3 Wochen deutlich an [8]. Infektionsraten bei getunnelten Ka­thetern mit Cuff sind mit 2 bis 3 Bakte­riämien pro 1000 Behandlungstage deut­lich niedriger. Aus diesem Grund sollte bei längerer Liegedauer auf den weniger infektionsgefährdeten getunnelten Dia­lysekatheter mit Cuff gewechselt werden.

    Die deutschen Dialyse-Zugangsempfehlungen geben die Indikation zur dauerhaften Dialyse über einen getunnelten Katheter „als letzte Möglichkeit, falls kein anderer permanenter Zugang oder die keine Peritonealdialyse möglich ist“ an [9].

    Die häufigste Indikation für getunnel­te Dialyse-Vorhofkatheter ist eine Dialyse­notwendigkeit für mehr als 3–4 Wochen bei fehlender Shuntmöglichkeit und feh­lender Möglichkeit zur Peritonealdialyse (PD). Weitere Indikationen sind eine geplante Lebendspende-Transplantation, die nur eine Dialysedauer von einigen Wochen erforderlich macht. Patienten, bei de­nen eine AV-Fistel an Arm und Bein we­gen eines Steal-Syndroms nicht möglich ist, sollten bei fehlender PD-Möglichkeit ebenfalls mit einem getunnelten Vorhof­katheter versehen werden. Eine schwere Herzinsuffizienz mit einer Ejektionsfraktion von unter 25–30% stellt bei fehlender PD-Möglichkeit ebenfalls eine Indikation zur Implantation eines getunnelten Vor­hofkatheters dar.

    In der Regel erfolgt die Implantation zentralvenöser Dialysekatheter in Seldinger-Technik unter Lokalanästhesie. Eine Venae sectio ist nur in wenigen Ausnahmefällen erforderlich.

    Implantationsorte der getunnelten Dia­lysekatheter sind vornehmlich die rech­te, aber auch die linke V. jugularis in­terna. Bei Implantation in die rechte V. jugularis interna treten seltener Flusspro­bleme auf als an allen anderen Implanta­tionsorten [10]. Die V. subclavia verbietet sich in Fällen, in denen noch eine weitere Shuntversorgung geplant ist, zumal sie dünnlumiger als die proximale Jugularvene ist und venöse Thromben in der Subclavia häufiger sind. Prinzipiell ist auch eine Implantation über die V. femoralis oder über translumbale und transhepatische Zugänge möglich, allerdings ist die Funktionsdauer dieser Zugänge deutlich limitiert [11, 12, 13].

    Die richtige Position der Katheter­spitze ist für das Flussverhalten des Katheters elementar und sollte am Übergang der V.cava zum rechten Vorhof oder direkt im rechten Vorhof liegen. Für die korrekte Positionierung der Katheterspitze und zur Vermeidung anderer Komplikationen (z. B. Abknicken des Katheters im Tunnel) ist eine Durchleuchtung zwingend erforderlich. Zu beachten ist auch, dass die Katheterspitze bei sitzenden Patienten während der Dialyse häufig etwas nach kranial wandert, weshalb die Spitze bei der Implantation in Rückenlage eher etwas tiefer platziert werden sollte [14].

    Im Langzeitverlauf können sich Thromben innerhalb und außerhalb des Katheterlumens bilden. Thromben innerhalb des Lumens sollen durch sog. „Lock-Lösungen“ zwischen den Dialysesitzungen verhindert werden. Akute Verschlüsse lassen sich oft durch die Gabe von Thrombolytika wieder beheben [15], auch soll die regelmäßige Applikation von Thrombolytika 1x wöchentlich sinnvoll sein [16].

    Die gesteigerte Mortalität der Dialysepa­tienten mit permanenten Dialysekathe­tern ist hauptsächlich durch schwere In­fektionen bedingt (Endokarditiden, Spondylodisziti­den). Neben einer perioperativen Antibiotikaprophylaxe (z. B. Cephalosporin der 1. Generation) und steriler Implantationstechnik gebührt dem pflegerischen Kathetermanagement (strikte Hygieneprotokolle) ein hoher Stellenwert [17].

Aktuell laufende Studien zu diesem Thema

Neutrolin Versus Heparin for Locking Hemodialysis CathetersEffect of Temporary vs.Long Term Hemodia

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