Spinalanästhesie

Eine Spinalanästhesie ist für Operationen unterhalb Th 9-10 (etwa Höhe des Bauchnabels) geeignet. Der Eingriff sollte eine geplante Zeitdauer von max. 3 Stunden nicht überschreiten. Das lange Liegen auf dem OP-Tisch wird von den Patienten als sehr unangenehm empfunden.

1. Indikationen

Typische Indikationen für Spinalanästhesien sind:

  • Frakturversorgung der unteren Extremitäten, Knie-und Hüftendoprothetik
  • Leistenhernien
  • Perineale Chirurgie
  • Transurethrale Resektionen
  • Sectio caesarea

2. Kontraindikation

  • Ablehnung des Patienten
  • Störungen des Blutgerinnungssystems
  • Mangelnde Kommunikationsmöglichkeit mit dem Patienten
  • Infektionen am Punktionsort
  • Bestimmte neurologische Erkrankungen

3. Voraussetzung

  • Ausführliches Aufklärungsgespräch
  • Körperliche Untersuchung und Anamnese
  • Einverständniserklärung des Patienten nicht nur für die regionale Technik, sondern auch für eine Vollnarkose bei Versagen der Spinalanästhesie oder Komplikationen
  • Verordnung einer moderat dosierten Prämedikation durch den Anästhesisten. Die Patienten sollten nicht so stark sediert sein, dass sie nicht mehr sitzen können.

4. Beschreibung des Ablaufes

  • Bei Übernahme des Patienten Kontrolle dessen Identität und des geplanten Eingriffes (Patientenakte, Einverständniserklärungen)
  • Anlegen des Monitoring; EKG, Blutdruckmessung, Pulsoxymetrie
  • i.v. Zugang und Infusion
  • Dokumentation der ersten Messwerte im Anästhesieprotokoll
  • Bereitstellen von Einleitungsmedikamenten und Beatmungsmaterialien, falls eine Notfallsituation auftritt (z.B. extrem starke Kreislaufreaktionen, totale Spinalanästhesie)
  • Bereitstellen von Atropin und Theodrenalin
  • Sitzende Lagerung des Patienten auf dem OP–Tisch
  • Kontrolle der Laborparameter, insbesondere INR, pTT und Thrombozytenzahl, Leukozyten und CRP
  • Unterstützung des Patienten bei der sitzenden Lagerung mit hängenden Schultern
  • Gründliche Hautdesinfektion des Rückens mit Desinfektionsmittel (Einwirkzeit bei Single Shot von 60 Sekunden ausreichend, kein Wischen, die Haut muss feucht benetzt sein)
  • Der Anästhesist trägt Mundschutz und OP Haube
  • Gründliche Händedesinfektion (min. 30 Sekunden Einwirkzeit)
  • Steriles Abdecken mit Lochtuch und Abdecktuch
  • Lokalanästhesie mit 1 – 3 ml eines Lokalanästhetikums (z.B. Scandicain 1 %)
  • Punktion des Spinalkanals mit einer G 24 Nadel nach Sprotte und Vorstichkanüle
  • Kontrolle des Liquorrückflusses und Kontrolle des Liquors auf Blut
  • Eventuell Dokumentation von Parästhesien
  • Langsame Injektion des Lokalanästhetikums (z.B. Carbostesin 0,5 % iso- oder hyperbar, Scandicain 4 % hyperbar) in den Subarachnoidalraum ohne Barbotage
  • Zurückziehen der Spinalnadel
  • Steriles Pflaster kleben
  • Patient horizontal lagern
  • Transport des Patienten in den OP
  • Ausbreitung testen
  • Eventuell Oberkörperhochlage herstellen
  • Hypothermie des Patienten vermeiden
  • Dokumentation des Verfahrens im Narkoseprotokoll sowie Dokumentation der Vitalzeichen nach Durchführung der Spinalanästhesie
  • Freigabe des Patienten an das OP – Team

5. Intraoperatives Monitoring

  • 1 Kanal EKG
  • NIBP
  • Pulsoxymetrie
  • Vigilanz
  • Ausbreitung der Spinalanästhesie

6. Übergabe an den Aufwachraum

  • Die Patienten werden im Aufwachraum überwacht, bis die Spinalanästhesie beginnt abzuklingen (z.B. Abnahme des motorischen Blocks).
  • Regelmäßige Vitalzeichenkontrolle
  • Postoperative Analgesie z.B. mit 1 g Metamizol oral
  • Patienten dürfen sofort nach Verlegung auf die Station Essen und Trinken, es sei denn es liegen Übelkeit und Erbrechen vor
  • Aufstehen, wenn die motorische und sensorische Blockade komplett abgeklungen ist
  • das erste Aufstehen nur in Begleitung mit dem Pflegepersonal
  • Hinweis auf die Entstehung postspinaler Kopfschmerzen
  • Auf eventuelle Miktionsstörungen hinweisen

Autor:   Prof. Dr. C. Diefenbach

Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin

St. Katharinen-Hospital Frechen GmbH