„Post operative muscle loss“ und seine Auswirkung auf das Behandlungsergebnis

Dass der Muskelverlust durch ITS-Aufenthalte eine längerfristige Frailty der Patienten zur Folge hat und auch zu Langzeitschäden führen kann, ist bekannt. Für den operationsbedingten Muskelverlust ("post operative muscle loss" (POML) existieren nur wenige Studien. Entsprechend dünn ist die Datenlage im Hinblick auf Risikofaktoren für den operationsbedingten Muskelverlust, dadurch bedingte postoperative Komplikationen, postoperatives Fatigue und das 1-Jahres-Überleben im Rahmen der onkologischen Viszeralchirurgie. Die vorliegende Studie hat diese Variablen prospektiv untersucht.

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In den Jahren 2019 bis 2021 wurde eine prospektive Beobachtungsstudie an Patienten/innen mit offenen abdominellen Resektionen bei onkologischen Erkrankungen  durchgeführt. Der Hauptendpunkt war der postoperative Muskelverlust, der als sonographisch ermittelter Volumenverlust von mehr als 10 % eines Oberarm- und Oberschenkelmuskels am 7. postoperativen Tag definiert wurde. Weitere Endpunkte waren die Assoziation des POML mit:

  • Alter > 65 Jahre
  • präoperativer Diabetes mellitus Typ II
  • präoperative Sarkopenie
  • postoperative Komplikationen
  • mangelnde postoperative körperliche Mobilität (gemessen mittels "wearable device")
  • postoperative Proteinzufuhr
  • postoperatives Fatigue-Syndrom

Von den 173 Patienten/innen wiesen 39 % einen Verlust von > 10 % im Muskeldurchmesser eines Indikatormuskels auf. Die POML-Gruppe bestand zu 65 % aus Männern im Vergleich zur Nicht-POML-Gruppe und wies einen deutlichen Gewichtsverlust in den 6 Monaten vor ihrer Operation auf (28 % vs. 14 %). Postoperative Komplikationen traten bei POML häufiger auf, allerdings nicht signifikant [19 % vs. 10 %). Ebenfalls nicht signifikant war der Unterschied in der postoperativen körperlichen Aktivität beider Gruppen. Die POML-Gruppe verzeichnete jedoch signifikant weniger Schritte pro Tag (1327 gegenüber 1603). Die POML- und die Nicht-POML-Gruppe nahmen unterschiedliche Proteinmengen pro Tag zu sich (1,35 g/kg vs. 2,95 g/kg). Durch die multivariate Analyse der Merkmale präoperativer Gewichtsverlust, reduzierte körperliche Aktivität und reduzierte postoperative Proteinzufuhr konnten diese als Risikofaktoren für POML identifiziert werden. POML war ebenso ein unabhängiger Risikofaktor für ein reduziertes 1-Jahres-Überleben. Im ersten Jahr nach der Operation wiesen sowohl Patienten/innen mit als auch ohne POML gleichermaßen ein Fatigue-Syndrom auf.

Die Ergebnisse der Studie dienen als Grundlage für die Entscheidung, welche Patientinnen und Patienten möglicherweise von Prähabilitationsprogrammen profitieren können.  Die reduzierten 1-Jahres-Überlebensraten durch POML zeigen auch, dass prä- und postoperative Programme erforderlich sind, um den Gesamtoutcome zu verbessern. Demnach müssen für den Erfolg der Operation neben einer Prähabilitation eine unmittelbare postoperative Aktivierung und eine ausreichende Nährstoffaufnahme gewährleistet werden, um die kurz- und langfristigen Therapieziele erreichen zu können.

Quelle

Hogenbirk RNM et al Postoperative muscle loss, protein intake, physical activity and outcome associations. Br J Surg. 2023 Jan 10;110(2):183-192. doi: 10.1093/bjs/znac384. PMID: 36394896; PMCID: PMC10364506.