Die Sigmaresektion ist die operative Therapieoption bei Sigmadivertikulitis. Die Indikationen werden klassisch in absolute und relative (bzw. elektive) Indikationen eingeteilt und orientieren sich heute an Komplikationen, Verlauf und Lebensqualität, weniger an der bloßen Anzahl der Schübe.
Absolute Indikationen (Notfall-OP)
Sofortige Operation erforderlich bei:
- Freier Perforation mit generalisierter Peritonitis
→ CDD IIc - Therapierefraktäre Sepsis
- Unkontrollierbare Blutung aus dem Sigma
- Darmischämie oder Nekrose
- Akuter Ileus durch Divertikulitis
Relative / elektive Indikationen
Operation nach Abklingen des akuten Schubs (nach 6 Wochen):
- Komplizierte Divertikulitis
- Gedeckter Perforation / Abszess
- besonders bei:
- Abszess > 3–5 cm
- Rezidiv nach Drainage
- Fisteln
- kolovesikal (Luft im Urin, rezidivierende Harnwegsinfekte)
- kolovaginal
- kolokutan
- Stenose mit Passagestörung
- Rezidivierende Blutungen
- Gedeckter Perforation / Abszess
- Unkomplizierte Divertikulitis
- Rezidivierende Schübe mit:
- deutlicher Einschränkung der Lebensqualität
- kurzer schubfreier Intervalle
- Therapieresistenter Verlauf
- Chronisch-rezidivierende Entzündung („smoldering diverticulitis“)
- Rezidivierende Schübe mit:
Sonderindikationen
- Immunsupprimierte Patienten
(z. B. Transplantierte, Langzeitsteroidtherapie) - Jüngere Patienten mit schwerem Verlauf (heute zurückhaltender beurteilt als früher)
Nicht mehr gültige alte Indikationen
- „Operation nach dem 2. Schub“ → nicht mehr empfohlen
- ✔️ Entscheidung heute individualisiert nach den obigen Prinzipien
Prinzipien der Sigmaresektion bei der Divertikulitis
- Entfernung des entzündlich veränderten Segments
- Anastomose im entzündungsfreien Colon descendens
- Möglichst elektiv und minimalinvasiv (laparoskopisch/robotisch)
Hier ist eine übersichtliche Tabelle zur CDD-Klassifikation (Classification of Diverticular Disease), wie sie im deutschsprachigen Raum (DGAV/DGVS) gebräuchlich ist (S3 Leitlinie AWMF):
| CDD-Typ | Bezeichnung | Beschreibung | Therapie (Kurzüberblick) |
| CDD 0 | Asymptomatische Divertikulose | Divertikel ohne Beschwerden oder Entzündung | Keine Therapie |
| CDD 1a | Akute unkomplizierte Divertikulitis | Entzündung ohne Komplikationen, ohne Phlegmone | Konservativ, meist ohne Antibiotika |
| CDD 1b | Akute unkomplizierte Divertikulitis mit Phlegmone | Wandverdickung, perikolische Entzündung | Konservativ ± Antibiotika |
| CDD 2a | Akute komplizierte Divertikulitis – Mikroabszess | Abszess ≤ 3 cm | Konservativ |
| CDD 2b | Akute komplizierte Divertikulitis – Makroabszess | Abszess > 3 cm | Antibiotika ± Drainage, evtl. elektive OP |
| CDD 2c | Akute komplizierte Divertikulitis – freie Perforation | Generalisierte Peritonitis | Notfall-OP |
| CDD 3a | Chronisch rezidivierende Divertikulitis | Wiederholte Entzündungsschübe | Individualisiert, ggf. elektive OP |
| CDD 3b | Chronisch komplizierte Divertikulitis | Fistel, Stenose, entzündlicher Tumor | Elektive OP |
| CDD 3c | Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUDD) | Chronische Beschwerden ohne Entzündung | Konservativ |
| CDD 4 | Divertikelblutung | Akute oder rezidivierende Blutung | Endoskopisch / interventionell / OP |
Merke:
- CDD 1 = unkompliziert
- CDD 2 = akut kompliziert
- CDD 3 = chronisch
- CDD 2c = absolute OP-Indikation
- Nicht die Anzahl der Schübe, sondern Komplikationen & Lebensqualität sind entscheidend

