Legende zum Bild: (1) Glandula suprarenalis, (2) Ren sinister, (3) Aorta abdominalis, (4) Aa. phrenicae inferiores, (5) Aa. suprarenales superiores, (6) Aa. suprarenales mediae, (7) Aa. suprarenales inferiores, (8) A. renalis accessoria aberrans, (9) Aa. renales, (10) Aa. Testiculares
Arterielle Blutversorgung
Die arterielle Versorgung der Nebennieren erfolgt über drei Hauptzuflüsse:
- A. suprarenalis superior (aus der A. phrenica inferior)
- A. suprarenalis media (direkt aus der Aorta abdominalis)
- A. suprarenalis inferior (aus der A. renalis)
Zwischen diesen Gefäßen bestehen zahlreiche anatomische Varianten und Anastomosen, die klinisch relevant sein können.
Die zuführenden Arterien bilden unterhalb der Kapsel ein dichtes subkapsuläres Gefäßplexus. Von dort ziehen:
- kortikale Sinusoide durch die Rindenzonen in Richtung Mark
- sowie teilweise direkte Markarterien (Aa. medullares), die das Mark unabhängig von der Rinde versorgen
Das venöse Blut der Rinde fließt anschließend durch das Mark, bevor es über die zentrale Vene abgeleitet wird. Diese besondere Gefäßanordnung (kortikomedullärer Portalstrom) ermöglicht es, dass Rindenhormone – insbesondere Cortisol – in hoher Konzentration zu den chromaffinen Zellen des Marks gelangen und dort die Aktivität der Phenylethanolamin-N-Methyltransferase (PNMT) steigern. Dadurch wird die Umwandlung von Noradrenalin zu Adrenalin gefördert.
Venöser Abfluss
Der venöse Abfluss erfolgt jeweils über eine zentrale Vene (V. suprarenalis):
- rechte Seite:
- V. suprarenalis dextra
- kurz, dünnwandig
- mündet direkt in die V. cava inferior
- klinisch relevant: erhöhte Verletzungsgefahr bei Operationen
- linke Seite:
- V. suprarenalis sinistra
- meist gemeinsam mit der V. phrenica inferior sinistra
- mündet in die V. renalis sinistra
Die Zentralvenen besitzen eine charakteristische längs- und spiralig angeordnete glatte Muskulatur, die vermutlich den venösen Abfluss moduliert und damit indirekt die Hormonfreisetzung beeinflusst.
Lymphabfluss
Der Lymphabfluss beginnt in einem feinen subkapsulären Lymphkapillarnetz, das Lymphe aus Rinde und Mark aufnimmt.
Die abführenden Lymphgefäße:
- verlaufen überwiegend entlang der Arterien
- drainieren primär in die Nodi lymphatici lumbales (paraaortici)
Ein Teil der Lymphgefäße kann durch das Zwerchfell ziehen und in posteriore mediastinale Lymphknoten münden, was für die Ausbreitung pathologischer Prozesse (z. B. Metastasen) relevant ist.
Innervation
Die Innervation der Nebennieren erfolgt überwiegend sympathisch:
- Präganglionäre Fasern stammen aus den Rückenmarkssegmenten Th5–L1
- sie verlaufen über die Nn. splanchnici und das Plexus coeliacus
- Besonderheit: keine Umschaltung in einem Ganglion
Stattdessen enden die präganglionären Fasern direkt an den chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks, die funktionell postganglionären sympathischen Neuronen entsprechen.
Funktionelle Bedeutung
Diese direkte neuroendokrine Kopplung ermöglicht:
- eine extrem schnelle Ausschüttung von Katecholaminen
- eine unmittelbare Anpassung an Stresssituationen („fight or flight“)
Zusammenfassung
- 3 Arterien: superior, media, inferior → subkapsulärer Plexus
- kortikomedullärer Portalstrom: Cortisol steuert Adrenalinbildung
- venös: je eine Zentralvene (rechts → VCI, links → V. renalis)
- Lymphe: paraaortale (lumbale) Lymphknoten
- Innervation: direkte präganglionäre Sympathikusfasern → chromaffine Zellen