Perioperatives Management - Adrenalektomie links, laparoskopisch

  1. Indikationen

    In den Leitlinien besteht Konsens, dass die meisten Nebennierentumoren (NN-Tumoren) bei gegebener Indikation minimal-invasiv operiert werden sollten. Tumordurchmesser > 6 cm und deutliche Hinweise auf Malignität in der präoperativen Bildgebung gelten als Grenzen der minimal-invasiven Chirurgie. Hinsichtlich der Tumorgröße wird vielfach von einer 6 cm-Regel ausgegangen, größere Tumore sollen konventionell-offen exstirpiert werden. Demgegenüber haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass auch bei großen Nebennierentumoren > 6 cm bei entsprechender Expertise sicher minimalinvasiv vorgegangen werden kann. Aufgrund fehlender Evidenz kann deshalb die 6 cm-Regel nicht als absolute Grenze angesehen werden. Dennoch wird generell bei großen Tumoren, insbesondere bei bildgebendem Malignitätsverdacht, die konventionelle Adrenalektomie empfohlen.

    Laparoskopische und retroperitoneoskopische Verfahren sind gleichwertig. Die Wahl des Zugangswegs ist abhängig von der Erfahrung und der Präferenz des Operateurs. 

    Bemerkung: Die laparoskopische Adrenalektomie (AE) hat sich nach der Erstbeschreibung 1992 technisch nicht wesentlich verändert und ist wegen des vertrauten Zugangs und Orientierung vielerorts die bevorzugte Methode.

    Die Nebennierenteilresektion (nebennierenerhaltende Adrenalektomie) hat einen Stellenwert bei Patienten mit Conn-Syndrom, das von kleinen meist exzentrisch liegenden Tumoren verursacht wird, und bilateralen Tumoren, bei denen der operative Eingriff mit dem Ziel des adrenokortikalen Funktionserhalts angestrebt wird. Hierbei soll der Erhalt von mindestens einem Drittel einer Nebenniere erreicht werden. Die zentrale Nebennierenvene muss nicht erhalten werden. Bei nur einseitiger Chirurgie wird die Kortikoidhormonproduktion in der Regel vollständig von der kontralateralen Nebenniere übernommen.

    In folgenden Situationen ist eine Indikation zur minimal-invasiven Adrenalektomie gegeben:

    • Endokrin-aktive Tumoren der Nebennierenrinde (Conn- oder Cushing-Adenome, Tumoren mit Sexualhormonsekretion) bis 10 cm

      • Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus, PHA):

        Die häufigste Ursache einer sekundären Hypertonie ist der primäre Hyperaldosteronismus. 
        Screening bei Inzidentalom und gleichzeitiger Hypertonie und/oder unklarer Hypokaliämie. Morphologisch kann eine Hyperplasie der Nebennieren oder ein oder mehrere Adenome vorliegen.

        Bei einem unilateralen aldosteronproduzierenden Adenom oder einer unilateralen adrenalen Hyperplasie ist die unilaterale Adrenalektomie indiziert. Beim solitären Aldosteron-produzierenden Adenom kann auch eine partielle Entfernung der betroffenen Nebenniere vorgenommen werden.

        Bei Patienten mit primärem Hyperaldosteronismus (PHA) und bilateralen Nebennierenveränderungen kann eine einseitige Adrenalektomie in Betracht gezogen werden, sofern das adrenale Venensampling (AVS; selektive Blutentnahme aus den Nebennierenvenen) eine eindeutige funktionelle Lateralisierung nachweist. Die Bedeutung der CXCR4-PET als nicht-invasive Alternative zum AVS muss durch weitere Studien validiert werden.
         
      • Cushing-Syndrom (Hypercortisolismus)

        Ein florides adrenales Cushing-Syndrom mit klassischen klinischen Stigmata stellt eine OP-Indikation dar.

        Eine besondere Situation liegt bei der milden autonomen Cortisolsekretion (MACS) vor. Definitionsgemäß weisen Patienten und Patientinnen mit MACS keine klinischen Zeichen eines Cushing-Syndroms auf, jedoch einen pathologischen 1-mg-Dexamethason-Hemmtest.

        Eine besondere Situation liegt bei der milden autonomen Cortisolsekretion (MACS) vor. Definitionsgemäß weisen Patienten und Patientinnen mit MACS keine klinischen Zeichen eines Cushing-Syndroms auf, jedoch einen pathologischen 1-mg-Dexamethason-Hemmtest.

        Eine große, 2022 publizierte Studie zeigte, dass Patienten und Patientinnen mit autonomer   Cortisolsekretion im Vergleich zu Personen mit hormoninaktivem Adenom eine erhöhte Gesamtmortalität aufweisen (Deutschbein et al., Lancet Diabetes & Endocrinology, 2022). Gemäß der überarbeiteten Inzidentalom-Leitlinie der European Society of Endocrinology aus dem Jahr 2023 sollte bei MACS grundsätzlich eine operative Therapie erwogen werden, insbesondere bei Vorliegen relevanter Komorbiditäten.

        Vor einer möglichen operativen Entfernung des NN-Tumors muss die ACTH-Unabhängigkeit des Kortisolexzesses bestätigt werden, damit der Eingriff nicht fälschlicherweise erfolgt, obwohl die Ursache des Hormonexzesses beispielsweise hypophysär bedingt ist durch ein Adenom des Hypophysenvorderlappens (zentrales Cushing-Syndrom) oder paraneoplastisches Syndrom mit ektoper ACTH-Sekretion bei Tumorerkrankung.
          
      • Sexualhormon produzierende Nebennierenrindentumoren

        Ein adrenokortikales Karzinom ist die häufigste Ursache für eine klinisch relevante, pathologische Androgen-/Östrogensekretion aus der Nebenniere, Adenome sind sehr selten.
         
    • Nebennierenrindenkarzinom Adrenokortikales Karzinom (ACC) bis zum ENSAT-Stadium II 
      Link zu ENSAT-Klassifikation und Größe ≤ 6cm

      • Bei der Erstdiagnose fast immer > 4cm und weist in 50-80% eine endokrine Aktivität auf. Typisch ist eine Cortisolproduktion oder eine gemischt-hormonelle Produktion (Androgene/Östrogene und Cortisol).
      • Beim Nebennierenrindenkarzinom ist die offene Adrenalektomie der Goldstandard. Bei Tumoren < 6 cm ohne Hinweis auf lokale oder Lymphknoteninfiltration (ENSAT Std. I+II) kann eine minimal-invasive Adrenalektomie erfolgen.
      • Eine radikale Tumorresektion mit Entfernung der Nebenniere und des gesamten Fett-/Bindegewebes im betroffenen Kompartiment ohne Kapseleröffnung mit Lymphadenektomie, diese bei unsicherer Datenlage, wird empfohlen. Eine Definition hinsichtlich der Ausdehnung der erforderlichen Lymphadenektomie liegt bisher nicht vor.
      • Bemerkung: Die Rate an lokalen und peritonealen Rezidiven ist in der laparoskopischen Gruppe laut aktueller Evidenz erhöht. Eine Konversion von laparoskopischer zu offener Adrenalektomie verschlechtert das Gesamtüberleben.
         
    • Phäochromozytom (PC) Nebennierenmarktumor mit Katecholaminexzess

      • Ca 1/3 aller Phäochromozytom-Patienten sind einem hereditären Tumorsyndrom zuzuordnen. Das genetische Screening ist unverzichtbarer Bestandteil der Phäochromozytom Diagnostik.
      • Zu den familiären syndromalen Formen gehören die multiple endokrine Neoplasie Typ 2 (MEN 2), das von-Hippel-Lindau-Syndrom (VHL), die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) und die Keimbahnmutationen der Succinat-Dehydrogenase-Untereinheit B und D (SDHB und SDHD).
      • Sie unterscheiden sich von den sporadischen Formen durch Erkrankungsalter, Tumorlokalisation und ihr Risiko zur malignen Entartung.
      • Syndromassoziierte hereditäre Phäochromozytome haben eine niedrigere Malignitätsrate als sporadische Tumoren, treten aber oft multifokal/bilateral auf. 
      • Eine wichtige Ausnahme sind die SDHB-assoziierten Tumoren mit besonders hohem Malignitäts- und Rezidivrisiko.
      • Organerhaltende Resektionen sollten bei geeigneter Indikation (hereditäre Tumoren, bilaterale Befunde, junge Patienten) bevorzugt werden, sofern dies onkologisch sicher möglich ist, um eine postoperative Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden und die Notwendigkeit einer lebenslangen Steroidabhängigkeit zu reduzieren.
      • Insgesamt sind 10 % der PC maligne. Beweisend für ein malignes Phäochromozytom sind ausschließlich Metastasen. 
         
    • Inzidentalome
    Größe des InzidentalomsEmpfehlung
    <  4 cm

    Keine OP, wenn hormonell inaktiv und benigne Bildgebung

    4 – 6 cmIndividuelle Entscheidung („Graubereich“), Abwägung von Malignitätsrisiko, Bildgebung, Wachstum, Patientenwunsch, Re-CT/MRT in 6 - 12 Monaten
    >  6 cmOP empfohlen, auch bei hormonell inaktiven Tumoren wegen erhöhtem Karzinomrisiko (25%)

    Ein Nebenniereninzidentalom ist eine zufällige, meist asymptomatische Raumforderung (RF) der Nebenniere, die nicht aufgrund eines klinischen Verdachts auf eine endokrine Erkrankung entdeckt wurde. Meist gilt eine Größe ab 1 cm im Durchmesser als relevanter Befund. 

    Aufgrund der möglichen Malignität und hormonellen Aktivität sollte jedes Nebenniereninzidentalom ab einer Größe von 1cm  leitliniengerecht  mittels biochemischer und radiologischer Methoden abgeklärt werden. 

    Neben der Größe muss die Wahrscheinlichkeit eines malignen Tumors erfasst werden. Hierzu empfiehlt die Leitlinie an erster Stelle eine Computertomographie (CT) ohne Kontrastmittel mit Bestimmung der Hounsfield-Einheiten (HU) zur Dichtemessung der Tumoren. Bei einer homogenen Raumforderung mit einer Dichte von ≤ 10 HU ist keine weitere Bildgebung erforderlich. Bei kleinen homogenen Tumoren bis 4 cm Durchmesser und HU zwischen 11 und 20 soll eine zusätzliche Bildgebung erfolgen, z. B. durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) mit „chemical-shift“, eine CT mit „wash-out“, oder einer Fluordesoxyglukose-Positronenemissionstomographie (s.u. Diagnostik). Tumoren, die größer sind, heterogen oder mit HU > 20 müssen in einer interdisziplinären Besprechung diskutiert werden. Es sollte dann entweder eine zügige zusätzliche Bildgebung erfolgen bzw. eine Operation evaluiert werden. Sollte nach erweiterter Bildgebung und interdisziplinärer Besprechung keine Indikation zur Operation gestellt werden, wird eine Verlaufsbildgebung in 6 bis 12 Monaten empfohlen.

    78-Nebennierenraumforderung
    • Nebennierenmetastasen (von malignen Tumoren anderen Ursprungs) sollten entfernt werden, wenn keine weiteren Metastasen vorliegen und durch die Entfernung Tumorfreiheit erreicht wird. Die Metastasen-Adrenalektomie wird minimal-invasiv vorgenommen, sofern die Metastase in toto und ohne Tumorzellaussaat entfernt werden kann. Ein offenes Vorgehen bleibt den wenigen Fällen vorbehalten, bei denen es Hinweise für eine lokale Infiltration gibt, oder wenn die Metastase 6 cm überschreitet.
       
    • Myelolipome/Nebennierenzysten stellen keine Operationsindikation dar. Der Tumordurchmesser ist prognostisch unbedeutend, da es sich um gutartige Tumoren handelt. Flankenschmerzen bedingt durch die Größe des Tumors oder eine Einblutung im Retroperitoneum können selten eine Operationsindikation darstellen.
       

    Lymphknotendissektion

    Bei vergrößerten Lymphknoten soll eine lokoregionäre Lymphadenektomie durchgeführt werden. Die Datenlage bzgl. einer periadrenalen/renal-hilären Lymphadenektomie ist unbefriedigend.

     

  2. Kontraindikationen

    • Pulmonale oder kardiale Probleme, die einen minimal-invasiven Eingriff ausschließen.
       
    • Keine Adrenalektomie ohne vorherige Bestimmung der Hormonaktivität!
       
    • Ausgeprägte Verwachsungen nach Vor-Operationen
      Bemerkung: Hier kann ein retroperitoneoskopisches Vorgehen sinnvoll sein.
       
    • Aufgrund des sehr geringen Malignitätsrisikos ist die Operation bei hormoninaktiven, nicht malignomsuspekten Tumoren < 4 cm generell nicht indiziert. Sollte dennoch operiert werden, muss dies begründet werden.
       
    • primär offenes Vorgehen bei großen malignen Tumoren mit Infiltration von Umgebungsstrukturen oder nachgewiesene LK-Metastasen
       
    • Beim bilateralen primären Hyperaldosteronismus (idiopathische adrenale Hyperplasie) ohne Seitenzuordnung: Einleitung einer Therapie mit Aldosteronantagonisten.
       
    • Keine Adrenalektomie sondern parenchymsparende Nebennierenresektion (zum Funktionserhalt sollte ein Drittel einer Nebenniere belassen werden).

      • Bei hereditären (bilateralen) Phäochromozytomen, da die Wahrscheinlichkeit für ein metachrones kontralaterales PC hoch und das Malignitätsrisiko als gering einzuschätzen ist.
      • Cushing-Syndrom, das auf einer bilateralen makronodulären Hyperplasie beruht.  Gratwanderung zwischen Kortisolkontrolle und Hormonrestfunktion. Nach einer totalen Adrenalektomie besteht Substitutionspflicht mit dem Risiko einer lebensbedrohlichen Addison-Krise (akute Nebenniereninsuffizienz).
         
    • Myelolipome und Nebennierenzysten sollten nur bei klinischen Symptomen entfernt werden.
       
    • Die weiteren Kontraindikationen sind abhängig von den Grunderkrankungen (Operationsrisiko) und der Bedeutung der Adrenalektomie für die Lebensqualität oder Lebenserwartung des Patienten.
  3. Präoperative Diagnostik

    Nebennierentumoren umfassen gut- und bösartige Veränderungen der Nebennieren, die die Morphologie und/oder Funktion betreffen. Ziel der Diagnostik ist die Zuordnung morphologischer und/oder funktioneller Veränderungen, um therapeutischen Möglichkeiten zu evaluieren.

    Die Diagnostik umfasst Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung, wobei Bestimmung des Blutdrucks und der Herzfrequenz obligater Bestandteil sind. Darüber hinaus sind endokrinologische Methoden und bildgebende Verfahren erforderlich.

    Tumoröse Veränderungen der Nebennieren sollten immer auf eine mögliche Hormonaktivität abgeklärt werden: Katecholamine, Aldosteron, Cortisol, Geschlechtshormone oder ihre Vorstufen.

    Klinik

    Typische Leitsymptome beim PC sind schwere Hypertonie, anfallsartige Kopfschmerzen und Palpitationen. Pathognomonisch für einen Hyperkortisolismus (Cushing-Syndrom) sind Stammfettsucht, Stiernacken, Mondgesicht, Striae rubrae, Hirsutismus und Plethora.

    Screening auf PHA bei Hypertonie oder Hypokaliämie

    Labordiagnostik/Hormonelle Diagnostik:

    Initiales Screening-Tool bei V.a. autonome Cortisolsekretion (ACS) ist der Dexamethason Hemmtest. Anhand der Höhe des Dexamethason-supprimierten Serumcortisols wird bei klinisch asymptomatischen Patienten zwischen einem nichtfunktionellen Nebennierentumor und einer „(möglichen) autonomen Cortisolsekretion“ unterschieden. Ab Werten über 5 ng/dl Cortisol im Serum gilt die Diagnose als gesichert. Notwendig für die Diagnose ist ein niedriges bis supprimiertes ACTH (< 10 pg/ml), z.A. eines hypophysären Kortisolismus oder einer ektopen ACTH Produktion.

    Die Diagnostik beim PC um fasst die Bestimmung der Metanephrine im Plasma oder 24-Stunden-Sammelurin. Ein Clonidin-Test kann bei weiterhin grenzwertigem Befund erwogen werden. 

    3-Methoxy-tyramin im Plasma als Tumormarker für eine SDHB- Mutation dient bei einem PC > 5cm als präoperatives Screening auf das Vorliegen von Metastasen.

    Beim primären Hyperaldosteronismus (PHA)(Conn-Syndrom) liegt eine autonome, d.h. reninunabhängige Aldosteronsekretion vor.  Screening-Parameter ist der Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ), durch den auch Patienten mit einem milden primären Hyperaldosteronismus erkannt werden können. Aldosteron und Renin werden normalerweise morgens nach 5- bis 15- minütigem Sitzen bestimmt. Ist der Quotient erhöht muss leitliniengerecht ein Bestätigungstest erfolgen, z.B. ein Kochsalzinfusionstest (2l NaCl 0,9 %ig i.v. über 4 Stunden). Beim Gesunden kommt es zu einer Suppression des Aldosterons nach 4 Stunden, beim Kranken bleibt diese aus. Einfluss antihypertensiver Medikamente auf das RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) muss beachtet werden.

    Sexualhormone sowie Steroidvorstufen bei klinischem Erscheinungsbild eines Geschlechtshormonexzesses (Hirsutismus, Gynäkomastie bei Männern), Tumor > 4 cm oder bildmorphologisch V.a. ACC: Steroidvorstufen (DHEA/DHEA-S, Androstendion, 17-α-Hydroxyprogesteron), Testosteron bei Frauen, 17β-Östradiol bei Männern und postmenopausalen Frauen.

    Bemerkung: Etwa 60 – 80 % der Nebenrindenkarzinome sezernieren Hormone (funktionell aktiv), die häufigsten produzierten Hormone sind Glukokortikoide (v. a. Cortisol) und Androgene.

    78-Labor hormonaktive NN Tumoren

    Humangenetische Untersuchung

    Die aktuellen Leitlinien empfehlen eine genetische Testung bei allen Patienten mit Phäochromozytom unabhängig von Alter, Tumoranzahl oder Lokalisation.

    Bemerkung: Das Phäochromozytom (PC) stellt eine Indikatorläsion für hereditäre Syndrome dar. Bei unilateralem Befall liegt in 12%, bei bilateralem PC, jungen Patienten oder auffälliger Familienanamnese in 30% eine hereditäre Erkrankung vor.

    Bildgebende Verfahren:

    Comutertomographie

    Als Basisverfahren zur Darstellung von Nebennierentumoren wird die CT mit und ohne Kontrastmittel empfohlen. Sie ermöglicht die Ermittlung der Größe des NN-Tumors und dessen Fetthaltigkeit (Houndsfield-Einheiten, HU), sowie eine Beurteilung möglicher Umgebungsinfiltrationen.

    Nativ-CT (Nativ-CT mit Bestimmung der Dichtewerte der NN-RF in Houndsfieldeinheiten (HU))

    Das native CT ist der erste wichtige Schritt bei der Abklärung eines Nebennierentumors, besonders zur Bestimmung der Gewebedichte (HU).

    Läsionen mit < 10 HU sind mit einer Sensitivität von 70 % und Spezifität von 95 % als Adenome klassifizierbar und primär nicht malignomverdächtig.

    Kontrastmittel-CT wird ergänzend eingesetzt, wenn die Diagnose im nativ-CT nicht eindeutig ist.

    Dynamisches Kontrastmittel-CT mit Bestimmung des sogenannten „Washout-Verhaltens“ des Kontrastmittels nach 15 min: Adenome speichern Kontrastmittel weniger lang, maligne Tumoren behalten Kontrastmittel länger.

    MRT mit Chemical Shift-Bildgebung (auch "In-Phase-/Out-of-Phase-MRT")

    • Ist eine spezielle MRT-Technik, die auf dem unterschiedlichen Verhalten von Fett- und Wasserprotonen im Magnetfeld basiert.
    • In der gegenphasigen Sequenz (Out-of-Phase-Aufnahme) verlieren lipidreiche Adenome an Signalintensität, während andere Gewebe wie z.B. Metastasen, Karzinome, Phäochromozytome typischerweise kein oder nur wenig Fett enthalten und dies nicht tun.

    Zur Beurteilung einer eventuellen Metastasierung sollte die Diagnostik neben einer CT oder MRT des Abdomens eine CT des Thorax beinhalten.

    Funktionelle Bildgebung (nuklearmedizinische Diagnostik, PET/CT)

    In der funktionellen Bildgebung besitzt derzeit die 18F-Fluorodesoxyglucose (FDG) Positronenemissionstomographie (PET) mit simultanem CT den größten Stellenwert. Sie ist für viele maligne Tumoren sehr sensitiv vor allem für aggressive und schlecht differenzierte Tumoren. Eine Indikation besteht bei einem unklaren Inzidentalom >4 cm, V.a. NN-Metastase, V.a. ACC, V.a. SDHB-Mutation bei PC.
    Außerdem ermöglicht das PET-CT ein Ganzkörper-Staging hinsichtlich Metastasen mit Ausnahme des Gehirns. Eine zusätzliche Schädel-/Hirn-Diagnostik beispielsweise mittels eines MRT sollte deshalb insbesondere beim NSCLC (Non-Small Cell Lung Cancer, nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom) immer erfolgen.

    Bei der Diagnostik/Detektion von Phäochromozytomen erweisen sich die 123I‑MIBG-Szintigraphie sowie PET/CT-Untersuchungen mit 68Ga-DOTATATE oder 18F‑DOPA wegen ihrer hohen Spezifität als äußerst zuverlässig. Diese Verfahren sind besonders hilfreich bei unklarer Lokalisation sowie metastatischen, rezidivierenden oder multifokalen Tumoren. Die Wahl der funktionellen Bildgebung hängt zunehmend vom genetischen Subtyp ab.

    Adrenales Venensampling (AVS) (selektiver Nebennierenvenenkatheter)

    Zur funktionelle Seitenbestimmung des primären Hyperaldosteronismus, um das Risiko einer unnötigen oder unangemessenen Adrenalektomie zu vermeiden.
    Im Falle einer eindeutigen Lokalisation mittels CT oder MRT und insbesondere bei jüngeren Patienten ist die primäre Operation ohne AVS gerechtfertigt.

    Erste klinische Studien deuten darauf hin, dass die CXCR4-PET/CT mit dem Standardtracer [⁶⁸Ga]Ga-Pentixafor eine hohe diagnostische Genauigkeit bei der Subtypisierung des primären Aldosteronismus erreicht – insbesondere bei der Unterscheidung zwischen unilateralem aldosteronproduzierenden Adenom, bilateraler idiopathischer Hyperplasie und nicht-funktionellem Adenom. Ob das invasive adrenale Venensampling (AVS) dadurch ersetzt werden kann, muss noch durch Studien bestätigt werden.

    Punktionsbiopsie

    Von einer Biopsie der NN-Raumforderung wird – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (V.a. NN-Metastase und Malignomanamnese bei nicht eindeutiger Bildgebung) grundsätzlich abgeraten. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Tatsache, dass eine zuverlässige Differenzierung zwischen Adenom und Karzinom anhand einer Biopsie häufig nicht möglich ist und das Risiko der Tumorzellverschleppung besteht.

    Auf jeden Fall sollte zuvor biochemisch ein Phäochromozytom ausgeschlossen werden.

  4. Spezielle Vorbereitung

    • Die Patienten erhalten in der Regel eine prophylaktische Antibiotikagabe
    • Ein zentralvenöser Katheter sowie eine arterielle Blutdruckmessung sind in den meisten Fällen erforderlich, insbesondere bei rechtsseitigen Adrenalektomien, Phäochromozytomen oder bei bestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren

    Alphablockade:

    Internationale und nationale Leitlinien empfehlen vor Resektion eines Phäochromozytoms die α-Blockade, um intraoperative Blutdruckspitzen vorzubeugen, obwohl keine ausreichende Evidenz dafür vorliegt. Diese Empfehlung basiert auf alten Fallsammlungen und Expertenmeinungen. Mindestens zwei Metaanalysen (Schimmack et al., Wang et al.) kommen zum Schluss, dass ausreichende Evidenz fehlt, sowohl um die Alpha-Blockade zu empfehlen, als auch um sie wegzulassen. Neuere Studien aus High-Volume-Zentren zeigen, dass die Blutdruckspitzen intraoperativ nicht vermieden werden (die Menge und die Höhe der Spitzen ist vergleichbar in vorbehandelten und in nicht-vorbehandelten Patienten) und dass in Folge der Alpha-Blockade eine schwere therapierefraktäre Hypotension nach Tumorentfernung auftreten kann. Aus diesem Grund empfehlen  aktuelle Publikationen auf langwirksame Medikamente wie Phenoxybenzamin ganz zu verzichten. Sollte eine Alpha-Blockade durchgeführt werden, sind kurzwirksame Präparate wie Doxazosin oder Urapidil retard zu bevorzugen. 

    Eine intraoperative Hypertension durch Manipulationen am Tumor muss mit Glyceroltrinitrat, Urapidil und Clevedipin durch erfahrene Anästhesisten gemanagt werden. Ist dies der Fall, kann der Patient nach wenigen Stunden Aufwachraum auf Normalstation verlegt werden. 

    Eine propspektive randomisierte Studie zum Nutzen der präoperativen Alpha-Blockade fehlt. 

    Kortisolsubstitution:

    o   Bei Pat mit floridem Cushing besteht das Risiko einer postoperativen Nebenniereninsuffizienz, so dass eine peri- und postoperative Kortisolsubstitution empfohlen wird. Zusätzlich muss präoperativ meist eine antihypertensive Therapie, ein Elektrolytausgleich sowie eine Diabeteseinstellung vorgenommen werden.

    Kaliumsubstitution:

    o   Beim PHA sollte eine Hypokaliämie ausgeglichen werden. In diesem Fall wird präoperativ ein Aldosteronantagonist für mindestens zwei Wochen verabreicht, gleichzeitig Kalium anfangs substituiert.

    Vor einer Operation sollten alle Patientenfälle in einem interdisziplinären Tumorboard besprochen werden.

  5. Aufklärung

    Die Eingriffsrisiken sind abhängig vom Alter und Gesamtbefinden des Patienten, insbesondere von der hormonellen Überfunktionssymptomatik.

    Allgemeine Aufklärung über die Operationsrisiken:

    • Thrombose
    • Embolie
    • Infektionen
    • Gefäß-Nervenverletzung
    • Blutung/Nachblutung mit Fremdblutgabe
    • Verletzung von Nachbarorganen
    • Konversion zum konventionellen Verfahren
    • Trokarhernie

    Spezielle Aufklärung:

    • Milzverletzung ggf. Splenektomie
    • Verletzung der linken Nierenvene mit Blutung
    • Pankreasschwanzverletzung mit Ausbildung einer Fistel oder eines Abszesses
    • Verletzung des Zwerchfells
    • Verletzung der linken Kolonflexur
    • Verletzung des Magens
    • Hormonelle Reaktion; Addison-Krise
    • Persistenz der arteriellen Hypertonie bei Conn-Syndrom
    • Hohes Thromboembolie- und Infektionsrisiko bei Cushing-Syndrom
    • Bei beidseitiger Adrenalektomie lebenslange Einnahme von Kortison und Mineralkortikoid, Entwicklung eines Nelson-Tumors (ACTH-produzierender Hypophysentumor) in 10-25% nach ca. 10 Jahren
    • Bei Phäochromozytom Gefahr des Lokalrezidivs durch Tumorkapseleröffnung mit Zellaussaat.
Anästhesie

Operationen an der Nebenniere erfolgen in Intubationsnarkose Invasive Blutdruckmessung und Pulmona

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