Die präoperative Diagnostik bei Achalasie ist essenziell, um die Diagnose zu sichern, Differentialdiagnosen auszuschließen und den Zustand des Ösophagus zu bewerten. Eine umfassende Diagnostik ermöglicht die richtige Therapieentscheidung und reduziert das Risiko für postoperative Komplikationen.
- 1. Hochauflösende Ösophagus-Manometrie (HRM)
- Goldstandard zur Bestätigung der Achalasie und Einteilung nach der Chicago-Klassifikation (Typ I–III)
- Zeigt:
- Fehlende oder unkoordinierte Peristaltik
- Erhöhten Ruhedruck des unteren Ösophagussphinkters (LES)
- Pan-Ösophageale Druckanstiege
- Fehlende LES-Relaxation bei Schlucken (>15 mmHg Integraler Relaxationsdruck, IRP)
- Chicago-Klassifikation der Achalasie:
- Typ I (klassische Achalasie): Keine Peristaltik, kein Druckaufbau.
- Typ II (kompressiver Typ): Pan-Ösophageale Druckanstiege.
- Typ III (spastische Achalasie): Premature Kontraktionen mit hoher Amplitude.
- Notwendig für die exakte Diagnosestellung und Therapieplanung.
- 2. Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD)
- Ausschluss einer sekundären Achalasie (Pseudoachalasie), z. B. durch:
- Malignome (Magen- oder Ösophaguskarzinom, Lymphome)
- Peptische Strikturen
- Beurteilung der Schleimhaut auf:
- Entzündungen oder Ulzerationen durch Nahrungspassagestörung
- Candida-Ösophagitis (häufig bei langjähriger Achalasie)
- Erlaubt Biopsien bei Verdacht auf Malignität
- Notwendig zur Abklärung von Differentialdiagnosen!
- 3. Ösophagus-Breischluck (Barium-Schluckuntersuchung)
- Beurteilung der Ösophagusmotilität und -dilatation
- Typische Zeichen bei Achalasie:
- „Bird-beak-Sign“ (spitz zulaufendes distales Ösophagusende)
- Dilatierter, schlaffer Ösophagus
- Verzögerte Entleerung des Kontrastmittels
- Sigmoidale Deformität (bei fortgeschrittener Achalasie → schlechtere Prognose für Myotomie)
- Dynamische Aufnahmen helfen, Megaösophagus (fortgeschrittenes Stadium) zu erkennen.
- Hilfreich für die Stadienbestimmung und OP-Planung.
- 4. pH-Metrie oder Impedanz-pH-Metrie
- Falls ein gastroösophagealer Reflux (GERD) vermutet wird.
- Indikation: Patienten mit atypischen Symptomen (Sodbrennen, Regurgitation).
- Nachweis pathologischen Säurerefluxes → wichtig für Entscheidung über zusätzliche Fundoplikatio (Dor/Toupet).
- Nicht immer erforderlich, aber wichtig bei GERD-Verdacht.
- 5. Thorax-CT oder Endosonographie (EUS)
- Indikation: Verdacht auf Tumor oder extrinsische Kompression des Ösophagus.
- Ausschluss von mediastinalen Raumforderungen oder Malignomen (v. a. bei älteren Patienten mit rascher Symptomentwicklung).
- Endosonographie (EUS) hilft, submuköse Tumoren oder eine Verdickung der Kardiawand zu erkennen.
- Individuell bei Malignomverdacht oder unklaren Befunden.
- 6. Allgemeine präoperative Abklärung
- Labordiagnostik:
- Blutbild, Gerinnung, Leber- & Nierenwerte (Standard-OP-Vorbereitung)
- EKG & Echokardiographie (bei kardialen Risikofaktoren)
- Lungenfunktionstest (FEV1, Spirometrie) (bei COPD oder eingeschränkter Lungenfunktion)
- Standard der präoperativen Diagnostik zur grundsätzlichen OP-Fähigkeit.
- 7. Eckardt-Score zur Symptomquantifizierung bei Achalasie
Der Eckardt-Score ist der etablierte Goldstandard zur Bewertung der Achalasie-Symptome vor und nach Therapie (z. B. Myotomie, POEM). Er quantifiziert Dysphagie, Regurgitation, retrosternale Schmerzen und Gewichtsverlust auf einer Skala von 0–12 Punkten (0 = keine Beschwerden, 3 = maximale Ausprägung).
| Symptom | 0 Punkte | 1 Punkt | 2 Punkte | 3 Punkte |
|---|
| Dysphagie | Keine | Gelegentlich | Täglich | Bei jeder Mahlzeit |
| Regurgitation | Keine | Gelegentlich | Täglich | Bei jeder Mahlzeit |
| Brustschmerzen | Keine | Gelegentlich | Täglich | Bei jeder Mahlzeit |
| Gewichtsverlust | Keiner | <9 kg | 9–10 kg | >10 kg |
Bewertung und klinische Relevanz
Score 0–3: Remission/Erfolg (klinische Besserung >90% nach Myotomie). Score ≥4: Therapieversagen oder Rezidiv; Cut-off ≥9 prognostiziert POEM-Misserfolg. Der Score ist einfach, validiert, aber mit fairer Reliabilität (Cronbach’s α 0,57–0,65)
- Fazit:
Die wesentlichen Untersuchungen vor einer laparoskopischen Myotomie sind:
- Hochauflösende Manometrie → Bestätigung der Achalasie und Typeneinteilung
- Ösophagogastroduodenoskopie → Ausschluss von Pseudoachalasie/Malignomen
- Barium-Schluck → Ösophagusdilatation & Entleerung beurteilen
- pH-Metrie → Falls Reflux-Symptome bestehen
- CT/EUS → Bei Malignomverdacht